Home
Seite -1-
Meine Jugend-Gedichte 1.Teil
- von Klaus Nickel (1955-1960)
(
Alle freigegeben für nichtkommerzielle Verwendung )
Eine Laus
Eine Laus -
Clothilde Zech
hatte immer und ewig Pech,
weil einstmals
vor zweihundert Jahren
ihr Ahnfrau auch mal Pech
erfahren.
Die wurde nämlich arg verflucht,
als sie zum
Pater Konrad kruch,
der als ein Heiliger bekannt
im ganzen
deutschen Vaterland.
Die Ahnfrau biss ihn nämlich roh
in
seinen heiligen Popo,
als er schlief in dunkler Zelle
und
sie gleich fand die schöne Stelle.
Der Pater Konrad wachte
auf,
zerquetschte Ahnfraus Lebenslauf
und rief von heiligem
Zorn "errecht":
" habt immer und ewig, ewig Pech! "
Darum
hat heut Clothilde Zech
im Leben ausgesprochnes
Pech.
----------
Der Wirt
Der Tropfen
rinnt
Mathäus am Letzten
den Schlund entlang
und tut ihn
benetzten.
Es war der letzte Tropfen im Glas.
In Glas
ist nur noch Luft,
der letzte Tropfen macht keinen
Spaß
traurig verkümmert der Duft.
Der Wirt schenkt ohne
Geld nicht ein,
Wirte tun das nie,
weder Schnaps, noch Bier,
noch Wein
stur wie das Vieh.
_________
Ein
Regentropfen
Ein Regentropfen fällt und fällt
und denkt:
gleich bin ich auf der Welt
er segelt und fällt mit
Geschick
der alten Emma ins Genick.
Die Emma wischt ihn mit
der Hand,
so starb er für sein
Vaterland.
_________
Ein Regenwurm
Ein
Regenwurm in seinem Loch
eines Tags nach außen kroch.
Er
kroch dort viele Meter lang,
und es wurd' ihm etwas bang,
so
dass er schnell zurücke kroch
zu seinem alten
Würmerloch.
_________
Saxophon
In einer alten
Hafenbar
geschah es - es war wirklich wahr,
gebar des
Bläsers Saxophon
einen schrecklichen verquietschten Ton,
der
sich mit vehementer Kraft
aus des Rohres Öffnung schafft,
um
mit hochgespanntem Kreischen
irgend wohin zu entweichen.
Die
Bar war überall verschlossen...
so hat er sich in Schnaps
ersoffen.
Moral:
in gewissem Notfallslagen
lässt sich
immer Schnaps vertragen.
_________
Ein
Staubkorn
Ein Staubkorn und ihr Herr Gemahl
tanzten in
einem Sonnenstrahl.
Sie tanzten hin, sie tanzten her;
die
Welt war schön und schwereleer.
Sie flogen und sie
schwingelten,
sie zogen und sie ringelten,
sie reihten und
sie wenden sich,
sie streiten - und - sie trennten
sich.
_________
Ein Streichholz
Ein Streichholz
und 'ne Zigarette
lagen friedlich im Ehebette.
Nicht lange,
das Streichholz fühlte Hitze
im Kopf grad in der
Schwefelspitze.
Es brannte und es brannte dann
die nette
Zigarette an.
Natürlich brannten beide aus -
das ist der
Beiden Lebenslauf.
_______
Eine Gans
'ne Gans,
die kürzlich Äpfel fraß
vergaß, was sie da einstens aß;
denn
in des Apfels Kerngehäuse
steckten zwei verwaiste
Mäuse.
Wie diese da hinein gekommen
hätt' ich gern von
Dir vernommen.
_________
Eine Jungfrau
Jungfrau
Babette
will keinen Mann im Bette.
Nun ist sie siebzig Jahre
alt
und so wie so schon ziemlich kalt.
Nur einmal war
ein Mann im Bette,
der rauchte bloß 'ne Zigarette.
Sie ist
noch Jungfrau - na dann prost! -
das ist ihr einzger
Lebenstrost.
_________
Tante Igittigitt
" Ach
Gott ", sprach Tante Igittigitt
da komm wer will nur ich nicht
mit.
Zu meiner Zeit und Generation
kannte man zwar die
Liebe schon.
Doch ging das alles gar nicht so
weit,
höchstens handbreit unter das Kleid.
Und das war
schon Hölle und das war schon Sumpf,
heute da geht es bis über
den Strumpf.
Heute da weht ein ganz anderer Wind,
und wie
schnell kommt man heute zu einem Kind.
Wäre ich nur etwas
später geboren,
hätt' ich längst meine kostbare Unschuld
verloren.
PS:
die Zeiten ändern sich ganz plötzlich,
die
Tanten finden es entsetzlich.
_________
Ein
Lebenslauf
Von meiner Mutter wurd' ich geboren,
blieb
einige Jahre ungeschoren,
ging zur Schule mit Büchern
bepackt,
mit fünfzehn schnitt ich den Bart mir ab.
Mit
sechzehn sah ich schon gerne die Mädchen
und ging des öftern
heimliche Pfädchen.
Mit sechzehn ward mir erst bewusst
der
glühend heiße Liebeskuss.
Mit zwanzig konnt' ich mich erst
messen
und war auf Weiber ganz versessen.
Mit vierzig ließ
dies etwas nach,
mit fünfzig spielte ich gern Schach.
Ab
sechzig freute ich mich schon
auf meine kleine Pension.
Ab
siebzig fing ich an zu rosten,
an mir war nicht mehr viel zu
kosten.
Ab achtzig las ich mit Genuss
den guten, alten
»Glaubensgruß«.
Ab 90 wurd ich ziemlich älter
und außerdem
auch etwas kälter.
Morgen werd' ich sicher sterben
bei
mir gibt's nichts mehr zu vererben.
_________
Eine
Zündschnur
Vor etwa 150 Jahren
wurde er nur so aus
Spaß
gefesselt und herum gefahren
und dann gesetzt aufs
Pulverfass.
Man wollte ihn in tausend Teile
zersprengen,
das war ziemlich klar
und es war trotz großer Eile
eine
lange Zündschnur da.
Die Zündschnur war zwar recht
lang,
sie ging von Hamburg bis Hawaii,
ihm war in keinster
Weise bang,
sie war zu lang um wahr zu sein.
Ein Wilder
brannte sie sodann
mit Feuer, das vom Blitz erzeugt,
die
lange Lunte fröhlich an,
und keinen hat es dort
gereut.
Die Zündschnur brannte leise, sachte
den einen,
klar gelegten Weg;
doch auf dem Pulverfass der lachte
und
warf die Zigarette weg.
Nun fiel die Kippe gradlings
stur
- es war ein Unglück um so mehr -
grad auf die lange
Zündeschnur
es gab ein Krach - und ihn nicht
mehr.
_________
Spätherbst
Die letzte Rose
stirbt.
Der Wind spielt mit Laub
und wirbelt
Straßenstaub
_________
Ahornbäume
Schnell kommt
die Nacht
schwarze Wolken verdecken das Licht
und du ahnst
nur deinen Weg,
zögernd ist dein Schritt.
Gegen die
dunkle Nacht
zeichnen sich Schatten
die Ahornbäume
zeigen
Dir den Weg.
_________
Gedichte 2, Klaus
Nickel,
-----
Fröhliche Zecher
Würfel im
Becher
das Grammofon plärrt
Musik ganz verzerrt.
Sie
tanzen so wild,
welch komisches Bild.
Sie stehen
herum
mal blöd, mal dumm.
_________
Die
Waldfee
Die Waldfee stapft mühevoll durch den Wald,
denn
sie ist runzlig und sehr alt.
Sie stützt sich aufs
Stöckchen
grau-grün ist ihr Röckchen.
Hat immer noch
Tugend
obgleich keine Jugend.
Drum geht sie gebückt
und
ist halbwegs verrückt.
Oh, Waldfee im Walde
werd niemals
alte!
Sei uns ein Gleichnis
in dieser Wildnis
von ewiger
Jugend
mit und ohne
Tugend!
_________
Seltsam
Kleines Kätzchen
noch
doch seh' ich schon
den geschmeidigen Panter
wie er
die Beute
einkreist.
Viele lassen gern sich
verschlingen
doch nur wer ihn liebt
wird sein
Opfer
seltsam...
Heute noch Kätzchen
und doch ganz
anders.
Ein Geheimnis?
Und doch ahnt man Dich.
Seltsam...
Du weißt es nicht
doch jeder sieht wer Du bist:
ganz
Weib - Eva.
So unergründlichen dicht
verschleiert
seltsam....
Und seltsam lieb ich
Dich
Dich, die Eva
etwas ängstlich - glaub ich -
oder
doch
nicht?
Seltsam...
_________
Statistik
Statisti
ken haben erst kürzlich ergeben
der Wunsch nach dem Kind lass
bedenklich nach
die Menschen würden viel lieber
erstreben
den feinen Luxus unter dem Dach.
Zuerst aber
müssen wir uns fragen
wie so und warum stellt sich so was
ein
wir sollten nicht gleich die Unart beklagen
erst
gründlich erforscht muss alles sein.
Die Prämisse von all
dem ist das Ego
darüber sind wir uns alle klar.
Doch glaub
ich, in unseren Ahnen genau so
der gleiche Beweggrund einst
war.
Die Kinder wurden in Mengen geboren,
sie waren
ihr großer menschlicher Halt
für schlechte Zeiten im Alter
erkoren
als sicherer Lebensunterhalt.
Heute sind wir
sozial im Rentenstaat
und Kinder, die kosten nur Geld.
Dafür
leisten wir uns 'nen Waschapparat,
wir haben ihn schon
bestellt.
Auch können wir uns so manches erlauben
'ne
Fahrt nach Italien und so so ...
was brauchen wir Kinder, die
sich bestauben,
und schmutzig ist meist ihr
Popo.
Genießt mal schön ohne Sorg' zu sein
ohn' Kind,
dafür mehr Apparate
mehr Autos, Kino, goldnen Wein,
so seid
ihr schlecht beraten.
_________
Cox Orange
Es war
einmal ne Cox O r a n g e
mit einer arg befleckten
Wange.
Da frug ich diese Cox Orange
" Weshalb hast Du
gefleckt die Wange? "
Drauf sagte mir die Cox O r a n g
e:
" ich fiel von einer Bohnenstange,
die Höhe war zu hoch
für mich;
Drum hab ich Flecken im Gesicht!
"
_________
Buchstaben
Ne Sekretärin jung an
Jahren
an Leib und Seele unerfahren
entfaltete ein leeres
Blatt
wo nirgends was gestanden hat.
Papier so weiß und
engelrein
spannt sie in die Maschine ein
und hat mit einem
Fingerdruck
das große " A " drauf hin gedruckt.
Das A
steht auf dem Blatt Papier
es steht da und kann nichts
dafür.
Es steht und denkt in einem fort:
" warum bin ich an
diesem Ort ?
Warum steh ich auf dem Papier,
warum, wie
so, was soll ich hier?
Ich möchte gern ins Kino gehn,
ich
will nicht immerfort hier stehen!
Ich möchte mir die Zeit
vertreiben,
ich denke gar nicht hier zu bleiben! "
doch alle
Mühe ist vergeblich,
es steht zu fest, ist
unbeweglich.
Es hilft kein Jammern, hilft keine
Klagen,
das A hat sich zu fest gefahren,
und eh es sich so
recht versieht
hat es ein Brüderchen gekriegt.
Das
Tippfräulein hatte nämlich jetzt
ein kleines " r " ihm
angesetzt,
welches höflich und charmant
dem großen A gibt
seine Hand.
Das A ist stolz, das r sofort
hat mit dem A
gemacht ein Wort,
was allenthalben ist bekannt:
ein Ar
bedeutet recht viel Land.
Sie fühlen sich - das ist kein
Witz
als Grundbegriff zum Grundbesitz,
begeistern sich in
ihrer Freude
zur Landwirtschaft und Landwirtsleute.
Sie
wissen und uns ist es klar,
recht teuer ist heut so ein
Ar.
Wer könnte heut ein Ar sich leisten
die wenigsten am
allermeisten.
So spricht das A so spricht das r,
doch
plötzlich gibt es ein Geplärr,
und mit Wehen und
Geschrei
steht platterdings ein " sch " dabei.
Das ist
das Letzte, was passierte
das A und r sind die
blamierten.
Sie können es nicht überwinden
mit diesem Wort
sich abzufinden.
Ein Wort, was überall recht
roh
bedeutet so viel wie Popo.
Doch Popo wäre zu
ertragen
ein nettes Wort aus Kindertagen.
Ein A,r,s,c,h,
mit Recht
ist unanständig und auch schlecht.
Was soll zumal
ein Arsch denn hier
auf diesem Blütenweißpapier?
Drauf
spricht das A zum r bedächtig,
" das s,c,h ist unanständig.
Doch es ist hier und steht und schreit:
denn was
geschrieben ist, das bleibt!
Doch wäre da noch was zu
drechseln,
Du wirst das in die Wege wechseln,
Du wirst an
erster Stelle sein,
dann wird das Arsch kein Arsch mehr sein.
Alle halfen ihm vergeblich,
das 'r' war gleichfalls
unbeweglich,
das Schicksal meint es schlecht mit ihnen;
Drum
ist das Arsch ein Arsch geblieben.
_________
Ein
Virus
Ein Virus von der schlechten Sorte
befand sich auf
der Erdbeertorte.
Von dieser aß die Frau Baron
ihr zehntes
Stückchen Kuchen schon.
Das Virus kam ihr in den
Schlund,
davon wurd sie nicht grad gesund.
Baronin kam ins
Sterben dann,
das Virus hat ihrs angetan
bis dass der Onkel
Doktor kam
und die lange Zange nahm.
Er führte sie tief
in den Magen
und zog das Virus raus am Kragen.
Frau Baronin
ist gesund
und frisst sich wieder
kugelrund.
_________
Der Arzt vom Stand der ersten
Klasse
ist gegen die
Ortskrankenkasse.
_________
Ein
Sonnenstrahl
Ein Sonnenstrahl durchfuhr den Raum
um sich
etwas umzuschaun.
Nachdem er so das All durchquerte
traf er
dann auf die schöne Erde.
Neben einer Wolkenlücke
konnt
er sich grad dazwischen drücke
und landete recht sacht und
friedlich
in Deutschland, wo es so gemütlich.
Grad wollt
er einen Imbiss nehmen
Sauerkraut mit Eisbeinbeenchen,
da
kam ein Polizist daher
der wollte wissen wer er wär.
Der
Sonnenstrahl sagt sehr charmant,
" komm von weit vom
Sonnenland!
Ich bin, sagt er, noch mehr charmanter,
so was
wie ein Abgesandter.
Ich möchte mal sehen, was ihr
macht
bei Tage nur, nicht bei der Nacht. "
- " wo ist ihr
Pass? Das gibt es no!
Man reist hier nicht inkognito!
"
Der Sonnenstrahl sagt mit Bedacht:
" für Pässe bin
ich nicht gemacht.
Mein Ausweis, das ist mein Gesicht,
Sie
können's glauben oder nicht! "
- " ich glaub es nicht auch
wenn ich's seh',
mir tun schon beide Augen weh.
Wen ich
treff ohn Ausweis hier,
den nehm ich mit mir aufs
Revier.
So wurd der Sonnenstrahl verhaftet,
die Polizei
hat's nicht verkraftet.
Sie glaubte zwar, sie hätte
schon
einen Spionierspion.
Das Sonnenstrahl entwich der
Stelle
der kalten, kahlen, öden Zelle.
Die Polizei dann mir
gestand,
sie hätten furchtbar
Sonnenbrand.
_________
Ein Schornstein
Ein
Schornstein von der Industrie
der war zu hoch, so hoch wie
nie.
" Das werd ich niemals überleben,
ich fange jetzt schon
an zu beben ",
grollt er und wackelt um so mehr,
" mir sind
die Steine viel zu schwer ".
Drauf fiel er um mit Stein auf
Stein;
es hat nun mal nicht sollen
sein.
_________
Sauerkraut
Ich habe eine süße
Braut
wirklich sehr nett,
die kocht mir immer
Sauerkraut
mit einem Kilo Speck.
Früher aß ich
Sauerkraut
furchtbar gern und mit Vergnügen
aus der Hand der
lieben Braut.
Heut werd ich Bauchweh
kriegen.
_________
Ein Diplomatenessen
Auf
einem Diplomatenessen
hat der Minister für
Volkswirtschaft
die Larve eines Bandwurms gefressen;
der
nahm ihm alle Manneskraft.
Er aß so viel und wurde
dünner,
es half ihm keine Kur, kein Vitamin,
mit jedem Tage
wurd es schlimmer;
So ging er zu den Ahnen
hin.
_________
Eine Leiche
Gestern Mittag am
Hauptbahnhof
in der Linie Numero 1
wurde eine Leiche ganz
tot,
vielleicht hieß sie Heinz.
Die Lippen waren
blau
die Arme baumelten.
Es war eine Schau
als die
Schaffner ihn tragend taumelten.
Sie legten ihn nicht
gerade
sachte auf die städtische Bank.
Jemand sagte: "
schade "
und entschwand.
_________
Eine
Straßenbahn
Die Leute in der Straßenbahn
haben nur ein
Gesicht:
eintönig - lahm
sonst nichts.
Sie gucken
einheitsmäßig
immer geradeaus,
die Bahn hält
plötzlich,
und es steigt jemand aus.
Dann steigt einer
ein
und tritt dem nächsten auf den Fuß.
Dieser sagt: " Sie
Schwein! "
und der dankt für den Gruß.
Dann kommt
einer
von Sachsenhausen zu,
er hat keinen Eimer
und
bricht immerzu.
Der Schaffner hat nichts gerochen,
die
Leute nichts gesehn.
Was hat er auch verbrochen,
das kann
jedem geschehn
_________
Es wird kälter
und Du immer
älter.
Zupf Dir einen Grashalm aus
- geschwind,
sei noch
mal schnell ein Kind!
Dann geh nach
Haus.
_________
Gedichte 3, von Klaus
Nickel
Weidmanns Heil
Hörnerklang
Weidmanns
Gang
Weidmanns Heil!
Was sind die Weiber geil!
Wau - wau
- ein Schuss
ein Hirsch steigt
steil
Schluss.
_________
Herr Doktor
Herr
Doktor mir tut es so weh
wenn ich sitz auf dem
Portmonee.
Das wird 20 Mark 50 machen...
Patient hat geheilt
denn Arzt verlassen.
_________
Zwei Bienen
Zwei
Bienen flogen in die Lüfte
mit Sonnenschein und
Frühlingsdüfte,
um sich hier ohn' viel Gebaren
irgendwo mal
schnell zu paaren.
Grad wollten sie es unterfangen,
da
ist die Sonne unt'-gegangen,
der Wind tat kräftig tuten,
blasen,
so haben sie es unterlassen
Und dachten über ihr
Geschick:
wir haben heut nun mal kein
Glück.
_________
Manuela die Heiße
Manuela die
Heiße
hat schaurig heißes Blut
wie flüssig rotes
Eisen
das tut ihr gar nicht gut.
Alle Männer wollten
sie
taten sich selber tot.
Sie, nur sie, grollten
sie
haben große Not.
Du hast uns kirre gemacht
in
einer einzigen Nacht.
Im Morgenrot
sind wir
mausetot.
Manuela ist Jungfrau geworden
bei einem
heiligen Orden.
_________
Das erste Fernsehgerät anno
dazumal
Seit drei Monaten schon
besitzen wir ein
Television
und televisionieren
stundenlang und
stieren
auf den Flimmerkasten,
drücken Tasten
und
schieben Rasten,
schauen hin
auf das Ding.
Genießen und
gucken
die Magie-Suppen,
zu froher Runde
die
Kinderstunde;
schauen uns die Tagesschau an,
die Familie
Schölermann.
Die Ansagerin ist kokett
wir gehn noch lang
nicht ins Bett.
Eine tiefgründige Abhandlung
bringt uns
wieder in Schwung.
Wir werden nicht müde,
sind auch nicht
prüde.
Am Schluss, wenn alles beendet,
Wird's Testbild
gesendet;
auch das stieren wir an
wie den
Weihnachtsmann.
_________
Deutsche
Burschenschaft
Kreuzt die Klingen
Klinge
klingt
Funken springen
das Korps singt.
Hieb auf linke
Wange
- Sekundant interveniert -
nur nicht bange
sonst
remittiert.
Klinge sitzt
Blut das spritzt -
es fließt der
Saft
der Deutschen Burschenschaft.
_________
Zwei
klare Sterne
Zwei klare Sterne
in stiller Nacht
haben
von Ferne
mir Glück gebracht.
Jetzt sind sie gerne
nahe
bei mir,
ich schaue die Sterne
nur in Dir -
- Herr Ober!
Bitte ein Bier!
Gedichte 4,von Klaus Nickel
1960
Wartesaal
Nachts beziehungsweise morgens
im
Hauptbahnhof verschlagen sein
dann hast du keineswegs mehr
Sorgen
dann hast du keineswegs mehr Pein.
Du sitzt in
einer großen Halle
die Tür steht auf, ein Luftzug weht
mit
einem sanften kühlen Schwalle
an Dir vorbei, zerrinnt,
vergeht.
Ich sitz allein an einem Tische
ein Neger vis a
vis, der schläft
halb hingesunken ohne Frische,
der Kellner
geht herum und gähnt.
Ein Glück, dass es noch Wartesäle
gibt,
wo man Dich zwingt die Zeit zu fühlen,
wie sie ganz
langsam sich vergibt,
wie langsam malen ihre
Mühlen.
Doch wenn dein Zeitpunkt ist gekommen,
dich zu
erheben, nicht zu weilen,
so bist du wieder ganz
benommen
vom Tag, der Dir befiehlt zu
eilen.
_________
Meine Tante
Meine Tante erschrak
sich einst sehr
denn sie fürchtete das Schießgewehr.
Ein
böser Soldat wollte ihr was,
doch die Tante verstand keinen
Spaß,
was den bösen Mann sehr wütend machte
und sein Pistol
in Anschlag brachte.
Schwarz drohte der Mündungslauf,
meine
Tante hielt ihren Finger drauf.
So hat sie sich das Leben
gerettet,
ich hätt' dafür keinen Heller gewettet.
------
Früher war meine Tante schön und
jung.
Mit 20 brachte sie ihren Liebsten um.
Der hatte sie
nämlich betrogen,
das hat sie dazu erwogen.
In einer heißen
Liebesnacht
hat sie ihn einfach kalt gemacht.
-----
Meine Tante war stets schlecht in Mathematik.
Einst
brach sie dem Lehrer das Genick.
Sie nahm ihn am
Gewickel
und brach ihm das Genickel.
Nun sieht er die
Radieschen von unten sprossen,
meine Tante hat sie stets gerne
genossen.
_____
Im Karneval
Im Karneval hat
mancher sein Leid:
er möchte was haben zum Zeitvertreib.
Man
sieht ihn suchen und spüren
er will ein Weib zu Gemüte sich
führen.
Er schaut schon wie ein Jagdhund aus,
geht stets im
Kreise, nie gradaus.
Er blickt sie von Ferne schmachtend
an
- aber glaubst du, er ginge wirklich ran? -
weit gefehlt
- du siehst es ja -
jetzt steht er auch schon an der
Bar.
Dort schnäpselt er wie ein Polier
- mach's ebenso, das
rat' ich Dir.
Aha, nun ist er vom Hocker gesunken,
die
Hemmung ist gottlob verschwunden;
nun ist er wieder
unternehmungslustig,
auch ist er nicht mehr ganz so
durstig
und nimmt sich, was er so begehrt...
- das ist auch
eine Methode
-
_________
Schmetterling
Schmetterling, ich
hasche dich,
fliegst von Blütenkelch zu Blütenkelch.
Du
nimmst Dir die schillernden Tautropfen,
die funkeln im Rot der
Morgensonne.
Deine Flügel erbeben,
du siehst schon die
nächste Blüte -
jetzt erhasche ich dich
du bist gefangen in
meine Hand.
Deine zitronengelben Flügel
färben meine
Hände.
Kleiner Schmetterling,
warum entfliegst du
nicht?
_________
Einsamkeit
Ich gehe durch die
Einsamkeit
der Weg ist weit
gerade ist der Weg
es gibt
kein Steg
es gibt kein Schild, das zeigt
der Weg ist
weit.
Hoffen, Glauben ist mein Ziel
doch das ist
Spiel.
Ich gehe immer, ich geh ohne Leid
durch die
Einsamkeit.
--------
Rette sich, wer
kann.
Selbst ist der Mann!
Ich will nicht verlöschen, nicht
sterben,
will nichts vererben.
Ich habe Angst, nicht mehr zu
sein,
ich bin nur Schein.
Ich habe Angst, die Lüge zu
verlieren,
zu vegetieren.
Ich werde lügen und dann
lachen
wie es die Götter machen!
_________
Fern
bist du mir
Fern bist du mir
die Straßen trennen
bin
ich bei Dir?
Die Sonnen brennen!
Komm doch
zurück
lange schon wart' ich
Oh, welch ein Glück
und
umarm' dich.
_________
Ein Bett
Ein Bett ist
wirklich äußerst köstlich
und außerdem stets
unersetzlich.
Man schläft darin, sagt gute Nacht
derweil das
Tagewerk vollbracht.
Es gibt auch Betten, die
beneidlich,
weil drinnen schläft ein Wesen
weiblich,
engelhaft, der Mund so schön,
den Busen lieblich
anzusehn.
Lieblich duftet das Plumeau,
leicht entblößt
ist der Popo.
Das Bett bleibt stumm, es ist aus Holz,
auch
hat er seinen eignen Stolz.
Ich würd' so gern mich zu ihr
legen,
bestimmt werd' ich mich nicht bewegen,
damit ich sie
nicht störe
oder gar betöre.
_________
Kernsprüche
Die Verse sind der Verse wegen
sie gereichen
nicht der Menschheit Segen.
Die Zeit ist ein wirklich
fatales Abstraktum
schaut man sie an - schon ist sie
um
Der Mond zieht ruhig seine Bahn
der Kater schreit
ihn nächtens an.
Es ist schon immer so gewesen
am besten
kehren neue Besen.
Im Wein ist etwas Alkohol
ach Gott,
tut das dem Kinde wohl.
Im Schlaf ist auch der Böse
friedlich
wenn er am Tage ungemütlich.
Wir fahren in die
Welt hinein
der Storch, der steht auf einem Bein.
Auf
einem Beine steht der Storch
es stinkt die Morschel, wenn sie
morsch.
Am besten ist, du machst ne Pause
hast du kein
Cola mehr, so kauf se.
Am besten geht die gute Uhr
sie
lässt Dir keine Ruhe muhr.
Ein Mädchen schläft im
Himmelbett
Ach Gott, wenn ich das Bette hätt'.
Die
Frauen sind ein Hochgenuss
man muss obwohl man gar nicht
muss.
Die Liebe ist ne Himmelsmacht
besonders abends und
bei Nacht.
Die Zigarette weiß und lang
brennt höchstens
zehn Minuten lang.
Den Busen bringen alle Kenner
auf
einen einheitlichen Nenner.
Die Nacktheit ist, wenn man
ganz bloße
nur Scheue tragen einer Hose.
_________
32
Beischlaf-Kernsprüche:
Die Verse sind der Verse
wegen
sie gereichen nicht der Menschheit Segen.
1.Der
Beischlaf ist bei dem verpönt
der sich schon lange dran
gewöhnt.
2. Der Beischlaf ist bei alten Leuten
ein Traum
aus längst vergangenen Zeiten
3. Vor Beischlaf warnen alte
Weiber
die jungen mit den schönen Leiber
4. Der
Beischlaf war in alten Zeiten
verpönt und äußerst
unbescheiden
5. Der Beischlaf war im Mittelalter
nur für
den Beischlafhofverwalter
6. Der Beischlaf ging im III.
Reich
bei manchen Leuten äußerst leicht
7. Der Beischlaf
soll in Indonesien
mal früher schön gewesen wesen
8. Der
Beischlaf ist in der Türkei
nichts für Leute ohne Ei
9.
Beim Beischlaf reiben sich die Bäuche
so albern sind bei uns
die Bräuche
10. Nach dem Beischlaf in dem Bette
folgt
zumeist ne Zigarette
11. Der Beischlaf wird erst
wiederholt
wenn der Tabakrest verkohlt.
12. Der
Beischlaf ist verschiedentlich
bei manchen ganz
pariserisch
13. Der Beischlaf wird pervers
betrieben
kennt man der Liebe Künste sieben
14. Der
Beischlaf wird erst kulturell
liest man die neuen Bücher
schnell
15. Der Beischlaf heißt für die
Studenten
Gelder, Zeit und Kraft verschwenden
16. Wenn
der Beischlaf ist vollbracht
sagt man sich friedlich gute
Nacht
17. Dem Beischlaf geht ein Spiel voraus
das sagte
schon der alte Knaus
18. Der Beischlaf ist nach Knausens
Lehre
gefährlich, wenn man ihm nicht höre
19. Beim
Beischlaf stöhnen Frauenzimmer
mit grauenvollem
Lustgewimmer
20. Der Beischlaf ist für alte Knaben
ne
Freude, die sie selten haben
21. Der Beischlaf wird nach
altem Brauch
vollführt im Liegen Bauch an Bauch
22. Der
Beischlaf wird nach alter Sitte
vollzogene mit dem scharfen
Ritte
23. Der Beischlaf war für Persiens König
Dörfer,
welcher äußerst böhmig
24. Beim Beischlaf tut der Wolfgang
Knuth
die Hos' aus, was es selten tut
25. Der Beischlaf
fördert ernste Folgen
gar mancher fiel aus allen
Wolken
26. Der Beischlaf wird in jeder Nacht
wohl
100.000 mal gemacht
27. Der Beischlaf ist im hohen
Norden
vor kurzem streng verboten worden
28. Zum
Beischlaf braucht man hin und wieder
ein Weib mit aufgeknöpftem
Mieder
29. Beim Beischlaf tut man gegenseitig
so
manches, was durchaus verzeihlich
30.Mit dem Beischlaf ist es Schluss
folgt der letzte goldne Schuss.
Den Beischlaf hat der schöne - Bub
vollzogen in der Besenstub.
31. Vom Beischlaf reden
ist verpönt
es tun, hat man sich angewöhnt
32. Und tut
die ganze Welt vergehn
der Beischlaf aber bleibt
bestehen!
_________
Gedichte 5 Buch 2,von Klaus
Nickel
Sturm im Eimer
Hätten sie damals
geschrien
und sich gewaltig empört
Gift und Galle
gespieen
es wäre nicht passiert.
Damals waren sie feige
Säcke
steckten die Köpfe in den Sand
sahen die Juden im
Drecke
und brauchen den Synagogenbrand.
Hätten sie
damals geschrien
die Zeitungen sich empört
Gift und Galle
gespieen
es wäre nicht passiert.
Die einen waren
dagegen
nur wenige dafür
doch die dagegen
waren
verschlossen ihre Tür.
Damals waren sie feige
Säcke
heute haben sie wieder Mut
wühlen im eigenen
Drecke
und wundern sich über die Brut
Heut wird
geschrieen an allen Orten
denn wer am lautesten
schreit
verdient in Kürze den Orden
der
Brüderlichkeit.
_________
1955
Augen,
Sterne
nichts als Sterne
seh ich klar im Traum
und dann
gleich wie Schaum
zerblitzen in der
Ferne.
_________
1953
Fern möcht ich sein.
Lange
schon graut mir gespenstig der Ort
fort, nur fort von dem
gleißenden Hort.
Gierig mit lieblich verlockender
Fratze
Teufel und Engel vereint
will verlocken, will
verführen.
Reicht mir oh Götter denn Trank des
Vergessens
kehr' ich doch nimmer zu euch
zurück.
_________
Wenn ich so still entrückt
in der
Ecke sitze
Weiß ich stets, was mich beglückt
dass ich dich
besitze.
Doch entfliegt der Vogel mir
kann ich ihn nicht
herzen
meine Stimme ruft nach Dir
doch mit blut'gem
Herzen.
Die Zeit geht um, das Jahr beginnt
der Vogel
kommt zurück
und von dem Baum er zu mir singt
wie tief bin
ich beglückt.
_________
Mein liebes, liebendes Mädel
du
du lässt mir am Tag und bei Nacht keine Ruh.
Will ich ihn
Orpheus Arme mich legen
so nimmst du mir der Ruhe
Segen.
Du kommst und ziehst mich stets zurück,
in deinen
Armen nun lieg ich beglückt
und liebe und liebe nur dich
bis
mir das klopfende Herz zerbricht.
Leise tritt Orpheus
hinzu
und gibt mir endlich
Ruh.
_________
Rehabilitation
Wir möchten
heute vergessen
was damals war.
Wir haben ihm Kittchen
gesessen
so manches Jahr.
Wir sind nun freie
Leute
laut Gesetz.
Doch wir gehören zur Meute
die
ausgesetzt.
_________
Die Nacht des Fleisches wird
über uns kommen
über die Bösen und über die Frommen.
Die
Frommen brauchen sich nicht zu genieren,
dürfen des Fleisches
Lust studieren,
um endlich am höchsten Höhepunkt
probieren
von dem, was sich sonst nicht frommt.
Dies wurde schon
früher etikettiert,
ein Dummer, der es nicht probiert.
Die
Bösen werden in dieser Zeit
zu frommen Leuten - aus
Zeitvertreib.
_________
Aschermittwoch
Am
Aschermittwoch ist alles am Arsche,
es wird gebeichtet mit
Kreuzen aus Asche.
Die Folgen werden trotz Aschekreuzen
sich
später in schönsten Formen zeigen.
Man schaue nur auf den
Kalender
ich glaube so um den Dezember.
Dann wird die
Bundesstatistik bezeugen:
Geburtenzahl stark am
steigen.
_________
Der Apfel ist schön rundig
und
zumeist auch buntig.
Wir essen ihn so gerne auf
das ist es
Apfels Lebenslauf.
_________
Ein Streichholz und ein
Hölzerich
die liebten sich gar fürchterlich
in einer engen
Schachtel.
Da ist ein böser Mann gekommen
hat das
Streichholz herausgenommen.
Brennend ist es dahin
gesunken
und hat noch etwas nachgestunken.
Der Hölzerich
war ein glatter Versager:
er zerbrach - er war zu
mager.
_________
Die Lilie und Petersilie
die liebten
sich gar sehr.
Der kam die Emilie
brach die
Petersilie
und sie ist nicht mehr.
Die Lilie wurde
später gebrochen
von einem, der etwas nach Schnaps
gerochen.
_________
In der Kneipe
Neulich
ging ich mit bester Manier
zu trinken ein, zwei Glas
Bier.
Doch kaum hatt' ich das erste Bier getrunken
hat
plötzlich ne Kippe entsetzlich gestunken.
Ich sagte zu Dr.
Dideldum
Mach sie aus oder ich hau dich krumm.
Da sprach er
mit einer blöden Geste,
er rauche stets das
Allerbeste.
So nahm ich mein Bierglas vom Tisch
und
zerbrach es an seinem Gesicht.
Zum Glück war nicht mehr viel
Bier drin vorhanden,
auch war es ein wenig
abgestanden.
Da schrie der blutende Doktor zu mir:
das
kostet dich mindestens ein Bier!
So haben wir dann noch ein
Bier getrunken
und die Kippe hat auch nicht mehr
gestunken.
_________
Schwarze Ballade
Hurre,
hurre, hopp hopp hopp
liebes Pferdchen lauf
Galopp,
schwarzer Mond und schwarze Nacht
alles wie zur
Flucht gemacht.
Doch die Schar der schwarzen
Reiter...
weiter Pferdchen! Weiter weiter
durch die tiefe
schwarze Nacht...
oh - ich hör schon wie es
lacht.
_________
Turmbau zu Babel
Beim Turmbau zu
Babel ging es wirklich hoch her.
Man plante so 150 Meter an
Höhe
vielleicht noch ein paar Zölle mehr
damit man etwas
weiter sehe.
Nun waren da so etliche Propheten
die
warnten König und Architekt
es gäbe gewisse
Spezialitäten,
die der Herr nicht gerne hätt '.
Auf
Propheten hat noch nie jemand gehört;
Drum bauten sie lustig
drauf weiter
haben sich an nichts gestört
und waren äußerst
heiter.
Bis dass der Herr ein Machtspruch getan
Weise
und wirklich lustig,
die Maurer sprachen plötzlich
spontan
deutsch, englisch, französisch und russisch.
Das
war für den Turm und für Babel das Ende.
Jeder ging in sein
eigenes Land
dort brauchte man emsige Arbeiterhände
für
manchen Turm, der später entstand.
Nun ja - der Herr hat
sich schon lang dran gewöhnt,
dass überall Türme wachsen
die
Leute den Himmel verhöhnt
ihre eigene Sprache
schwatzen.
Vielleicht wird er bald oder in hundert
Jahren
mit einem lustigen Augenzwinkern
begleitet von
strahlender Engelscharen
auf Erden irgend was
verhindern.
_________
Wissenschaft
Erfindung und
die Wissenschaft
sind letztlich unser Pläsier
wir haben
natürlich viel erschafft
doch stolz darauf sind wir.
Wir
haben so schrecklich viel erfunden
die Menschheit schuldet uns
Dank.
Wir haben so manch nächtliche Stunde
geschuftet für
Gott und fürs Vaterland.
Der Fortschritte steigt im Quadrat
proportional
wir verstehen vieles nicht mehr.
Doch sind wir
ein für allemal
der Menschheit leuchtendes
Lichtermeer.
Betrachten wir einmal die
Medizin
statistisch können wir sagen
man stirbt nicht mehr
so schlechtweg hin
an einem verkrebsten Magen.
Wir haben
als Beispiel das Penizillin
zum Kampf gegen böse
Bazillen,
wir sterben viel später als früher dahin
Dank
unserer guten Pillen.
Drum lasset uns loben die
Wissenschaft
der Menschheit Retter und Freude
die uns so
schöne Sachen erschafft
in Zukunft und auch
heute.
_________
Klassen- und Studienkamerad
Wolfgang
Eben ging der Wolfgang Knut
zur Toilette, was er öfters
tut.
Als er an des Nachbars Zimmer kam
wurd ihm vor
Schreck die Füße lahm,
denn an dessen Türglasscheibe
ein
gespensterbleiches Gesicht sich zeigte.
Er läuft schnell
fort mit großem Bangen
es scheint sich jemand
aufgehangen.
Zitternd und ganz unverhohlen
greift er nach
seiner Gaspistolen.
Doch war dies Schreckgespenst ein
Ding
das als Mantel hinter der Scheibe
hing.
_________
Wir waren schon früher feige
vor
der Macht
wir haben getanzt den Reigen
und nichts
bedacht.
Wir liefen nur als die Kleinen mit
und
schrieen: " Heil! "
auch sangen wir das Banner-Lied
Heil!,
Heil!
Wir haben an nichts Böses gedacht
das tun wir
nie!
Haben uns über die Schwachen gemacht
wie das
Vieh.
Wir haben nicht getötet, nicht vertrieben
Nein,
nein, nein!
Wir haben zusammen getrieben
ins Schlachthaus
ein.
Wir konnten nichts sehen noch hören
- wir drehten
uns um -
das können wir heute beschwören
wir sind nicht
dumm!
Wir waren schon immer feige
und so bequem
wir
tanzen nach der ersten Geige
das ist
angenehm.
_________
Heldentod
Es ist so schön den
Heldentod zu sterben
verewigt als ein Denkmal da zu
stehen
davor die ehrfurchtsvollen Erben
den Stein mit einem
Kranz versehen.
Es ist so schön den Heldentod zu
geben
durch eine Kugel, die ein Priester weiht
vernichtet
ist ein schönes Leben
oh Held, auch durch die
Geistlichkeit.
Es war - oh Held - so sinnlos, dass du
starbest
die Lüge nur allein half dir in schwerer Not
als
trüber Stern indem du darbtest
nicht lange - Held -, dann was
du tot.
Dein Mythos ist dahin, dein Licht
klimmt leise
noch wie schwache Kerzen
du starbst im Glauben deiner
Pflicht
- sagt man - und das wärmt unsre Herzen.
Dein
Opfergang war sinnlos, Held!
Dein Leben, das nur einmal wird
geboten
du warst in diese Welt gestellt
zu leben, nicht in
die der Toten.
_________
Besoffen
Schwankende
Gestalten
wagten nach Hause zu wanken
die Blicke stieren der
Biere wegen
stur auf die Steine.
Müde und matt in Rausch sie
sich tranken.
Scheppernd schlurfen die schlappenden
Beine.
Zu Hause braut die Frau Geschimpfe
versoffen den Lohn
und die Monatsmiete.
_________
Eichhörnchen
Ich
bin das Eichhörnchen, das so traurig ist.
Warum? - das kann ich
nicht sagen,
ich klettere flink - ich bin sonst gewitzt
auch
habe ich den kleinen Eichkatz geküsst,
ich könnt eigentlich
nicht klagen.
Ich klettere hier - ich klettere dort
und
bin dabei stets wachsam.
Doch heute, da bin ich in einem
fort
so traurig und ohne Freude am Sport,
ich liege ihm Nest
so bedachtsam
und trauere - es mag wohl am Wetter liegen
-
so still und traurig vor mich
hin.
_________
Mädchen, du kleines
dir möcht ich dein
Kleid
und dein Höschen zerreißen.
Naschen, verspeisen
den
süßen, duftenden
biegsamen Leib.
Feurig sich
gebend
dem rasend Verliebten
gleich wie Europa, die hitzige,
reizte
und dann
sich ihm hingab.
Göttlich und
glücklich dem Zeuse
in rasendem Ritte sich gebend
alles, was
glücklich ihn machte;
und taumelnde Lust er zurück
gab.
Singet ihr Nymphen die Lieder der Liebe
und
wiegt uns im Rhythmus derselben.
_________
Bergauf
führt mein Weg
dort hinten ein Steg
kein Lärm, kein Auto
heute wild.
Vor mir liegt Karo
ein liebliches
Bild.
_________
Im Frühlingsgarten des Überfluss
wo
die schönsten Früchte reifen
hab ich genossen manch heißen
Kuss
ich selbst war nicht aus Eisen.
So manche Blume am
Wege stand
brach ich, die mir gefiel
nahm sie in meine zarte
Hand
damit ich mit ihr spiel.
______
Gedichte 6
Buch 2,von Klaus Nickel
In Sachsenhausen
Im " Grauen
Bock " ist Gemütlichkeit
lieblich schmelzende
Geigenklänge
durchströmen hier die Räumlichkeit
begleiten
lustige Trinkgesänge.
Im Grauen Bock ist
Gemütlichkeit
bekannt ist dieser schöne Ort
in dieser Gegend
weit und breit
wer ihn kennt, geht nicht so schnell hier
fort.
_________
Ich bin bei dir und liebe Dich
so
hoch, so tief, so selig,
ich habe Dich, du bist für mich
die
Frau, Geliebte königlich
ich liebe Dich so mächtig.
Ich
sehe nicht, ich fühl nur " Du "
dein Leib und deine Seele
ich bin so glücklich ohne Ruh
zu sein und fühle nur noch "
Du "
dein Leib und deine
Seele.
_________
Karneval
Seid mir grüßt ihr
närrischen Narren
hört, was ich euch zu berichten habe
Haus
und mein Weibe verließ ich
der Fastnacht wegen hier zu
sein
fröhlichen Umtrunk
genießen.
_________
Fastnachtzeit:
im Haus
Nickel, Selters
Saynstraße 21 (früher Numero 17)
Man
nannte es einst Bunker 17
damals - es ist lang schon
her
(ich selbst noch Kind und ziemlich schön)
Fest
gemauert in den Erden
steht dies Haus aus Stein
gebaut
heute, Leute, müsst ihr's werden
toll, ihr Narren,
Fastnachtsbraut.
....
In Anbetracht der
nunmehrigen Sitzung
bei der sich hier befindlichen hoch her
gehenden Stimmung
möchte ich ganz untertänigst was sagen
und
später mich mit den einzelnen Herren schlagen.
Zuerst freue
ich mich atompilzmäßig,
dass ihr all seid heut so
späßig,
und auch die Guckeser ganz unwillkürlich
benehmen
sich sehr unmanierlich,
ich darf wohl sagen äußerst kokett
-
okay! Wer sich benimmt, der muss ins Bett!
Auch Walter
Stotz, der edle Weidmannsritter,
ein lustiger Knabe, niemals
bitter
in seinem ganzen Lebenslauf,
auch heute hält ihn
keiner auf
zu sein ein lustige Schelmenbold,
Drum bin ich
dir besonders hold!
Prost!
_________
Surreal
blöde
Die Ewigkeit zieht ihre Bahn
ruhig und
präzise...
wir laufen...
das Auto zuckt...
ein
Blitzmoment...
alt - einsam - aus.
________
Hundert
Millionen Lichtjahre
entfernt auf einer Geraden
funkelt das
Glück
als einsamer Stern
Seine Lichtarme tasten
und
suchen das Ende
zur hellen Wärme
- doch sie
schlafen.
_________
Raum- Zeitsprung
Die vierte
Dimension
ist der Tod.
Einer Rückkehr aus dieser
Region
hieße, den Tod überwunden zu
haben.
_________
Aufrüstung
Vielleicht werden sie
bald wieder marschieren
die Gewehre stehen schon bei Fuß
es
tut so manchem pressieren
der Liebsten den
Abschiedskuss.
Sie werden sich mal wieder die Köpfe
zerschlagen
niemand weiß so recht warum
sie drohen dem
andern und sagen:
ihr seid uns zu dumm.
Aus Dummheit
werden sie wieder mal schießen
das ist ihr
Gewohnheitsrecht
so ist es immer gewesen
mir wird es
schlecht.
_________
Ben Akiba
Alles schon mal da
gewesen
Es war einmal ein Philosophist
ob's richtig war
- das weiß man nicht
der hat den Satz einst
aufgestellt,
dass alles, was hier auf der Welt
geschah und
wird geschehen werden
schon einmal da war auf der
Erden.
Man lacht und schimpft den Philosoph
und alle
hielten ihn für doof,
doch keiner hatte mehr gelacht
als er
den Beweis erbracht.
Und das kam so:
Troja war seit
langer Zeit
mit meterdickem Sand bestäubt,
und tief unter
dieser Decke
lag die Stadt in ihrem Drecke.
Schliemann
hatte auch sodann
diesen Schleier weg getan
der jedem Aug
verborgen hielt,
was darunter für ein Bild.
Die Mühe war
nicht für die Katz
man fand darin so manchen Schatz
Gold,
Edelstein und Königskronen
und in Gefäßen sogar Bohnen,
die
man den längst Verwesten gab,
auf dass sie später noch im
Grab
etwas zu verdauen hatten
im dunklen Reich der stummen
Schatten.
Man fand in einer Mauerritze
nachdem man mit
der Hacke Spitze
den Zugang wohl erbrochen hatte
eine
geheimnisvolle Schallplatte.
Mann war erstaunt, man glaubt
es kaum,
man glaubt an einen bösen Traum.
Schnell holt ein
Grammofon man her
zu hören, was zu hören wär.
Erstarrt
schaut alles auf das Ding,
das jetzt an zu spielen fing
mit
Kratzgeräusch und dumpfem Ton:
" Schenk mir einen Kuss durchs
Telefon! "
So wurd die Theorie bewiesen,
dass alles
schon mal da gewesen.