Home
Seite - 2 -
Meine Jugend-Gedichte 2. Teil
(Freigegeben für nichtkommerzielle Verwendung)
Vermasselt
Der Mensch individuell betrachtet
ergibt so manches, was beachtet:
Der Kenner sieht mit scharfem Blick:
der Mensch zieht in sich selbst zurück.
Er baut um die Persönlichkeit
'ne Mauer, die sehr hoch und breit
und denkt dann mit erhobnen Sinnen:
hier kann ich sein, hier bin ich drinnen,
hier bin ich Herr im eignen Haus,
kommt niemand rein - kommt niemand raus.
Der Mensch nun ein 'Individuum'
geht stolz beiseite, still und dumm.
Er ist von ganz besondrer Rasse
und zählt sich gar nicht gern zur Masse.
Er ist recht blöd und äußerst friedlich,
im Einzelfall nicht ungemütlich.
Die Sache wird erst kompliziert,
wenn der Mensch kommt, der verführt
mit viel Geschrei und viel Gefühlen,
die ihm in der Seele wühlen.
So spielt er denn durch die Reklame
mit diesem Armen Mühl und Dame.
Der Mensch wird wild und heult vor Freude,
verläßt sein enges Angstgebäude,
wirft sich dem Bruder an die Brust
begeistert und voll Tatendurst.
Sie sind sich einig - denken gleich
Dünne, Dicke, arm und reich:
für das Volk und Vaterland
geben wir dir Herz - Verstand.
Wo bist du Individuum?
Es ist nicht mehr, es war zu dumm!
Es ist vermasselt und vermengt
mit dem, was man die Masse nennt.
_________
Zitterhirn
Deine Lichtgestalt
zerrt mein Hirn.
Trink Licht
Zitterhirn!
Trink - trink!
Schlürfe ...
Saufe!
Blaubeine halten
Kalk,
Mörtel - Rieselbein.
Fettbauch schwappt
blauen Dunst.
Lichtgestalt - du
verzerrte Knorrwurzel
zerrst mein Zitterhirn!
_________
Goldener Sonntag
Die Stadt ist bunt
mit Menschen, die kaufen.
An der Laterne steht ein Hund,
einige saufen.
Die Ampel wird grün,
schnell wieder rot.
Die Leute laufen dahin.
Einer geht tot.
Viele schmachten...
Fröhliche Weihnachten!
_________
Moralchen
Ein Glück, daß es Moral gibt,
die uns in Mark und Bein geht,
wenn wir so schön verliebt sind:
Moral, Moral, oh weh mein Kind!
Das war schon immer richtig,
Mütter nehmen's wichtig.
- Moral in warmen Betten,
Freund Amor müßte betteln.
_________
Zu dir
Zwei Wochen habe ich dich nicht gesehen,
und der Frühling kommt schnell.
Ich möchte zur dir gehen
Grad auf der Stell.
Die Winde wehen so lau,
Sonne treibt mein Herz
in Sehnsuchtschmerz
zur dir - meine kleine Frau.
_________
Eichhörnchen
Das Eichhörnchen sagte zu mir:
Heute Nacht verschließ ich die Tür.
Schlaf recht hübsch alleine
ohne meine Beine!
Ich habe alleine geschlafen,
bin einer von den Braven.
Hab geträumt von ihr
und offen stand ihre Tür.
Ich bin ein Braver, wie sich's gehört,
hätt' ich sie in der Nacht doch gestört...!
Das wäre ihr lieber gewesen
als ein folgsamer Esel.
__________________
Camping mit Buntspecht
Der Buntspecht in dem Astloch schnattert
schon Stunden- und schon Tage lang.
Drum sind wir alle recht verdattert...
- die Alte ist auf Schnakenfang,
Um diesen Piepmatz zu ernähren,
der laufend wie am Spieße schreit.
Wir lassen ihn beim Schreien gewähren,
weil uns nichts andres übrig bleibt.
Dieweil schmiert Eichhorn Butterbrote,
und Walla legt darauf die Wurst,
die Männer reparieren Boote
und warten auf den großen Durst.
Und immer wieder piepst der Buntspecht
das gleiche, alte Hungerlied
aus seinem Astloch bös und schlecht
und wird's - oh Kummer - niemals müd.
Dieweil da rattern die Motoren,
die Boote ziehen ihre Bahn.
Nur unsres hat den Mut verloren
und zockelt traurig - entenlahm.
Und immer wieder der Buntspecht lärmt
schaurig und ohne Gefühl.
Für den, die's hören, niemand schwärmt.
Der Abend naht - es wird kühl.
Dieweil wird weiter Brot geschmoren
für die alte Bootsmannschaft.
Sie hat den Mut noch nicht verloren
und repariert mit Leidenschaft.
Und immer wieder der Buntspecht...
______________________________
Irren sit würmlich
Es regnete und es war warm
als ein Regenwurm - recht lang -
aus seinem Hause langsam kriechte.
Was ihm passierte Du nun siehste
Die Sonne schien auf nassem Grase
und Liebe stieg ihm in die Nase.
Er kroch recht eilig - so war's recht -
nach einem anderen Geschlecht.
Ganz plötzlich an der Dotterblume
sah er den Wurm, den er so suchte
und sprach mit Sehnsuchtsblicken rauh:
'Werd du - ach - meine liebe Frau!'
Der andre Wurm war sehr schockiert,
wehrte sich mit 'Füß und Hände.'
Er sagte und tat sehr empört:
'Geht nicht! - Bin dein andres Ende!'
______________________________
Biographie des Apfels
Der Apfel ist schön rundig
und zumeist auch buntig.
Wir essen ihn so gerne auf.
Das ist des Apfels Lebenslauf
Schluss - Aus - Ende