Nickelklaus allein zu Haus

Home...Verzeichnis Geschichten

Rin Palace Meloneras Gran Canaria

To your guests:

Waltraud und Fred XY.
Room No. 2061
Please do not give out this massage in the night,
when sleeping !

Diktat: Spracherkennungsprogramm
Liebe Urlauber auf Teneriffa,

nun habt ihr es ja geschafft und befindet euch zur Zeit wieder im Sommer in netter Gesellschaft und einem piek feinen Hotel, das keine Wünsche offen lässt.
Grade seid ihr nicht mehr da, und schon ist der erste Nachtfrost von Allerheiligen auf Donnerstag angesagt worden.
Als erstes habe ich vorsichtshalber die Blumentöpfe auf der Terrasse, die mir am besten gefallen in die dazu degradierten Praxisräume deponiert. Die anderen werden hoffentlich winterfest sein, was sich dann am Freitag so oder so nachweisen lässt.
So allmählich spüre ich doch eine gewisse Einsamkeit in mir nagen, ganz besonders dann, als ich die schweren Blumentöpfe alleine tragen musste, was wir in den letzten Jahren stets gemeinsam machten.
Offensichtlich war dies der Anfang herbei sehnender Gefühle, was allerdings mit dem Tragen von schweren Blumentöpfen anfänglich wohl zutraf, jedoch späterhin am wenigsten damit gemein hatte.
Es fing alles damit an, dass sich dies auf die mir Angetraute bezog. Nun, da die Zeit ohne ihr Hiersein mein seelisches Befinden zunächst in ansteigende Sehnsüchte nach der Einen verlief,wird wohl jeder verstehen, wie zunehmende Frustrationen zunächst nur leicht aufrührerische dann jedoch zunehmend revolutionäre Gefühlsstrukturen unaufhaltsam in die Wege leiten.
Ach, wie beneide ich doch gewisse orientalische und afrikanische Stammesfürsten, denen es durch Allahs Gnade gegeben ist, zur gleichen Zeit mit zwei, drei und in besonders dringenden Fällen mit sieben Frauen verheiratet sein zu dürfen.
Wäre ich einer von diesen glücklichen Machos, so würde ich in meiner gegenwärtigen, misslichen Lage bei den Nummern 2 bis 7 sofort meine mir gebührenden Rechte anmelden, obwohl gewisse Einschränkungen hinsichtlich der möglichen Ausführungen, wenn nicht in den Sternen, so doch in versteckten Drohungen von Seiten der Nr. 1 begründet sind.

Mittlerweile ist es 23. 30 Uhr, werde noch einige Zeit nach eurer Faxnummer suchen müssen und dann schicke ich diesen Schrieb über Computer in euer heißes Gebiet.
Herzliche Grüße und guter Nacht und weiterhin viel Spaß in Gran Canaria
Euer Unsinnopa Nickelklaus
PS: Faxempfang im Hotel wird ständig abgebrochen, versuche es Morgen oder Email
stimmt diese geschichte oder ist sie gelogen ?ß ?

Die Wunderhandschuhe

Hotel Riu Palas Meloneras
To Your german guests:
Fred and Waltraud XY
Please give out this fax in the morning


Guten Morgen Ihr Liebenden,

will hoffen, Ihr habt wieder so gut geschlafen wie bisher. Nutzt die noch verbleibenden sonnigen, warmen Tage als auch die Euch verwöhnenden Leistungen bezahlter Lakaien.
Heute ist das Wetter wieder ausgesprochen sau: acht Grad mit Nieselregen. In den höheren Lagen soll es sogar Schnee geben.
Heute Mittag waren Ellen und ich in einem Billigladen. Plötzlich sah ich in der Auslage verdammt interessante Handschuhe mit Heizung durch Akkubetrieb.
Da ich kalte Hände hatte und aufgrund vielleicht zu pessimistischer Wettervorhersage - aber immerhin! - der Winter des Jahrhunderts zu erwarten wäre, griff ich dankbar zu. Der Preis von 50 DM erschien mir wegen enormer Vorteile durchaus noch angemessen.
Sie passten mir hervorragend auch mit ihrer braunen Farbe zu meinem Mantel. Ellen war von deren Schönheit nicht besonders begeistert, nur weil hinter dem Handrücken eine etwas harte, kleine Erhöhung für das Batteriefach liegt.
Nun ja, sie wollte mir anscheinend die Freude an diesen Handschuhen nicht verderben und meckerte nur anfänglich und nur verhalten. Außerdem erklärte ich ihr, im Falle eines Überfalls könnte ich mit einer weit ausholenden Bewegung der Rückseite meiner linken oder rechten Hand den Angreifer so an der Schläfe treffen, dass er ein Fall für den Notarzt wird.
Zu Hause angekommen, musste ich diese Wunderhandschuhe unbedingt ausprobieren, zog ich sofort die Wunderhandschuhe über meine kalten, frostigen Hände, betätigte den verborgenen, etwas schwierig zu bedienenden Einschaltknopf, und nach wenigen Sekunden verspürte ich die aufkommende wohlige Wärme.
Nach einer halben Minute hatte ich den Eindruck, sehr warme Hände zu bekommen, besonders die rechte Hand.
Ich verließ das Zimmer und setzte mich der kalten Außentemperatur aus um weiterhin zu testen. Die Hände blieben tatsächlich sehr warm, besonders die rechte, wo ich auf meinem Handrücken bald ein leichtes, heißer werdendes Stechen verspürte.
Anfänglich dachte ich, es sei der Rest von einem Haltefaden des Firmenschildes. Um dies zu kontrollieren, und auch weil meine Hände schon zu heiß geworden waren, wollte ich mich nun der Wunderhandschuhe entledigen.
Ich zog darum an den Fingerspitzen, aber negativ, die Dinger schrumpften sich quasi fest um meine Hände; sie passten sich diesen super-angegossen an wie eine zweite Haut.
Ich wusste, ich brauche etwas Zeit, um diese Superdinger ohne große Gewalt wieder von den Händen zu bekommen, um die Elektronik nicht zu zerstören. Darum wollte ich diesen Wunderhandschuhen jetzt einfach den Strom abstellen, um meine Hände nicht braten zu lassen.
Aber der verborgene Schalter funktionierte nicht, weder rechts noch links bzw. war auf die Schnelle nicht auffindbar.
Nun kam mir die glorreiche Idee, wie wir das als Kinder mit schnee-nassen Handschuhen machten: mit den Zähnen!
Ich biss also in den rechten Handschuh über der zweiten und dritten Fingerkuppe und zog kräftig daran und tatsächlich es passierte was: empört schrie ich kurz auf, weil ich einen kleinen elektrischen Schlag auf meiner Oberlippe verspürte mit einem nachfolgenden kleinen Rauchwölkchen aus dem Handschuh und einer weiter zunehmenden so gut wie schmerzhaften Hitzeentwicklung mehr rechts als links.
Lange Rede kurzer Sinn: Feuerwehr-Methode.
Ich tauchte beide Hände in kaltes Wasser und war wieder ein glücklicher Mensch. Durch die Nässe wurden die Handschuhe innen glitschig wie Gelatine, so dass sie mir fast wie von selbst von den Händen fielen.
Sie waren allerdings in ihrer Funktion jetzt klinisch tot.Der Billigladen machte keine Schwierigkeiten, diese nach meiner eingehend dramatischen Schilderung zurückzunehmen, allerdings nicht ohne mir ein paar neue Wunderhandschuhe - ohne Zusatzkosten - anzubieten.
Schweren Herzens lehnte ich ab, weil Ellen befürchtete, ich könne als ein lebendiges Krematorium herumlaufen. Sie spielt gerade das aufregende Kartenspiel ''Beriba'' mit Waltraud und Karlheinz.
Übrigens , meine Hände - mit einem roten Fleck auf dem rechten Handrücken- sind warm geblieben auch ohne Handschuhe - Wunderhandschuhe waren's also doch!
Die besten Grüße und sammelt schön Wärme für Deutschland Euer Unsinnopa Klaus Nickel alias Nickelklaus

Verzeichnis Geschichten
Startseite