Lieber Nils,
nachdem Du Oma und mir einen so netten kleinen Brief geschrieben hast, der an der Schrank- Wand in der Küche noch hängt, werde ich, der Opa Klaus, dir jetzt auch einen Brief schreiben, genauso wie du das von uns gewünscht hast.
Da fällt mir ein, daß in wenigen Tagen Weihnachten ist. Das kommt dir sicher noch recht lange vor, aber wenn die Zeit dann gekommen ist, daß Weihnachten da ist, dann kannst Du erkennen, daß die Zeit recht schnell von dannen gelaufen ist.
Ich weiß nicht, ob du es nur ganz alleine dem Christkind überlassen willst, was es Dir schenken will. Vielleicht gibt es aber auch einen extra Wunsch von dir, womit sich das Christkind nicht so richtig abgibt, oder weil es ein solches Geschenk nicht auf Lager hat.
Du müßtest also noch einmal einen Brief an Oma Ellen und Opa Klaus schreiben, worin dann geschrieben stehen sollte, ob du vielleicht noch einen Extrawunsch hast. Diesen könnten wir dann dem Christkind mit der Weihnachtspost mitteilen und es bitten, dieses von dir gewünschte Geschenk in diesem oder jenem Geschäft abzuholen, von dem wir wissen, daß eben dieses Geschenk, das du haben möchtest, auch wirklich in diesem Geschäft zu erhalten ist.
Meistens funktioniert so was nur dann, wenn man dem Christkind irgendwie andeutet, daß man selbst dies oder jenes vom Christkind gar nicht geschenkt haben will, und statt dessen dieses Geschenk an einen anderen Menschen gehen soll. In unserem Falle könntest Du das ja sein. Du müßtest das dem Christkind einfach sagen, wie es das mit seinem Geschenk machen soll.
Da fällt mir gerade ein, daß es sehr schwierig sein könnte, direkt mit dem Christkind zu sprechen, um ihm etwas zu sagen.
Soweit ich weiß, muß man dazu um Mitternacht genau um 12 Uhr am Nikolaustag aus dem Haus in den Garten gehen, muß in den Himmel schauen und so laut rufen wie man kann: Guten Abend liebes Christkind, höre mir bitte jetzt einmal genau zu!...
Danach machst Du eine kleine Pause, spitzt die Ohren, um dann ein leises Rauschen in der Luft zu hören. Es hört sich sehr ähnlich wie das Rauschen des Windes an, aber dieses Mal ist es doch ganz anders.
Diese Möglichkeit möchte ich dir, lieber Nils, auf keinen Fall empfehlen, weil dann die Nachbarn in ihren Betten plötzlich aufwachen. Sie glauben dann so im Halbschlaf, daß ein Kind in Not ist, vielleicht von einem Räuber gefangen worden oder sonst irgend etwas ganz Schreckliches.
Sie rufen dann mit dem Telefon die Polizei an, und schwups sind die da und suchen den Verbrecher. Diesen können sie aber gar nicht finden, weil keiner da ist. Die Polizei weiß das aber nicht, sondern sie glaubt, der Verbrecher ist so weit weggelaufen, daß man ihn nicht mehr fangen kann. Deswegen rufen sie über ihr Handy den Polizeihubschrauber an. Der kommt natürlich so schnell er kann, kreist dann eine lange Zeit über Rosbach. Dabei macht er einen solchen Krach, daß ganz Rosbach erschrocken aus dem Schlaf erwacht.
Alle Leute laufen auf die Straße, um zu sehen, was denn eigentlich hier los ist. Als sie erfahren, es hat ein Kind geschrien in der Nacht, wollen sie alle der Polizei helfen. Einer läuft also hier hin, der andere da hin. Wieder andere holen sofort ihr Auto aus der Garage und ab geht es, einer nach Schladern, einer nach Rüddel, ein anderer in die Richtung nach Hurst. Das gibt ein Durcheinander in der Nacht.
Leute laufen laut rufend herum, Sirenen heulen wie verrückt, kurzum, es gibt ein Durcheinander wie man es nur dann erlebt, wenn hundert Häuser gleichzeitig brennen.
So etwas Schreckliches kann man auf keinen Fall dem Nikolaus zumuten, der ja gerade in dieser Nacht unterwegs ist, und bis jetzt wahnsinnig viel gearbeitet hat, um den Kindern die Nikolausgeschenke zu bringen.
Er ist gerade in diesem Augenblick auf dem Heimweg in den Himmel mit seinem Pferdeschlitten. Im schlimmsten Falle kann es sogar sein, daß er vor lauter Schreck, was sich da unten in Rosbach abspielt, aus seinem Schlitten herunter fallen kann...
Hallo Nils, hörst Du noch zu? okay!
Also, dieses Durcheinander wollen wir doch vermeiden. (Oder möchtest du das einmal ausprobieren: um zu sehen, was dann passiert?) Schließlich sind wir anständige Leute, die den Rosbachern nicht den Schlaf rauben wollen.
Und außerdem wollen wir doch nicht, daß der Nikolaus in der Nikolausnacht aus seinem Pferdeschlitten fällt vom Himmel auf die Erde.
Es ist nämlich so, daß gerade in diesem Moment kein Schutzengel bei ihm ist, weil gerade jetzt der letzte Schutzengel schnell zum Christkind geflogen ist.
Normalerweise ist die Aufgabe dieses Schutzengels, den Nikolaus mit den Armen aufzufangen, wenn er sein Gleichgewicht verliert und aus seinem Pferdeschlitten fällt. Das kommt hin und wieder auch aus ganz anderen Gründen einmal vor, wenn er auf seinem Weg vom Himmel zur Erde zum Beispiel die Schnapspralinen aufißt.
Diese darf er ja den Kindern auf keinen Fall schenken, sonst bekommt er Ärger mit den Eltern der Kinder und sogar mit dem Christkind. Aber irgendwie geraten aus unerklärlichen Gründen immer mal wieder mehr oder weniger viele Packungen dieser Schnapspralinen in seinen Nikolaussack. Man munkelt sogar in den himmlischen Kreisen, er habe sogar einen Schutzengel mit 3 Tuben der unheimlich süßen Milchstraßenmilch bestochen, damit er heimlich diese Schnapspralinen unter die Nikolausgeschenke in den Nikolaussack hinein schmuggelt.
Aber darüber spricht man nicht gerne und dem Christkind ist das sehr peinlich.
Was dann so passiert, wenn man viele Schnapspralinen aufißt, kannst Du dir denken. Der Nikolaus ist etwas beschwipst und hat dann gewisse Schwierigkeiten, seinen Pferdeschlitten richtig durch die Wolkenkurven zu lenken.
Einmal wurde ihm sogar sein Führerschein für Pferdeschlitten von der Schutzengel-Polizei für drei Monate abgenommen. Aber da hatte er und alle Kinder auf der Welt wirklich noch Glück gehabt mit den Geschenken, denn Weihnachten war gerade schon vorbei.
Schließlich muß man wissen, daß in diesem Moment um Mitternacht in der Nikolausnacht das mit dem Plätzchen-Backen in der großen Bäckerei vom Christkind ganz pünktlich losgeht. Dabei wird auch der allerletzte Schutzengel als Hilfsarbeiter dringend benötigt.
Wenn du Pech hast, fällst du aus dem Schlitten hoch oben am Himmel und wenn du unten ankommst, tut das fürchterlich weh. Möglicherweise hat der Nikolaus aber für alle Fälle (man kann ja nie wissen) einen Fallschirm aus Nebel - Seide für den äußersten Notfall mit in seinem Pferdeschlitten.
Um das alles zu vermeiden? ist es doch besser, einen Brief direkt an das Christkind zu schreiben: und nicht um Mitternacht am Nikolaustag genau um 12 Uhr nach dem Christkind laut zu schreien, daß es nur ein großes Durcheinander gibt.
So könnte zumindest der Opa ungefähr einen zusätzlichen Brief sicherheitshalber an das Christkind schreiben:
' Von den vielen Geschenken, die Du liebes Christkind mir zu Weihnachten gedenkst zu schenken, möchte ich auf eines davon verzichten. Ich bitte dich sehr, liebes Christkind, darum, statt dessen ein Geschenk: das sich Nils Wrasse von seiner Oma Ellen Nickel und seinem Opa Klaus Nickel zu Weihnachten wünscht, aus dem Geschäft zu nehmen. Oma und Opa haben das natürlich schon bezahlt, damit du liebes Christkind keine Schwierigkeiten bekommst, wenn du das einfach so aus dem Geschäft wegnimmst. Und dann lege bitte heimlich und unauffällig dieses Geschenk, das du bitte weihnachtlich verpacken mögest, unter den Weihnachtsbaum für den Nils Wrasse, Kirch-Straße Nr.24.'
Ende des Briefes an das Christkind.
Ob das so funktioniert1 wie ich das jetzt vorgeschlagen habe, weiß ich nicht so ganz genau, das kommt ganz auf die Stimmung vom lieben Christkind an, und ob es genügend Zeit dazu hat. Aber meistens hat es das doch wenigstens so zwischendurch. Allerdings gibt es noch einen geheimen kleinen Trick, um dir das Christkind wohlgewogener zu machen, um auch wirklich das Geschenke zu bekommen, was man sich von ihm gewünscht hat. Es geht darum, daß Christkind noch etwas fröhlicher zu machen, als es schon ist.
Du solltest zum Beispiel Deine lustigen Schreibfehler im Brief für das Christkind von der Mutter nicht korrigieren lassen. Wenn es das liest, lacht es sicher so laut und lange bis ihm die Lachtränen die Backen herunterlaufen.
Dann sagt es zu all den Weihnachtsengeln: ,, lest doch bitte auch diesen Brief, den mir der Nils geschrieben hat! Ist der nicht lustig?
Es ist genau tausend Jahre her, daß ich über einen Brief, der von der Erde an mich geschickt wurde, so lachen mußte. Das war der Brief, den mir ein Kind mit dem Namen Papst Leo zugeschickt hatte. Darin stand sein Wunsch geschrieben, ich, das Christkind, solle ihm ganz alleine gehören.
Ich mußte daraufhin so lange lachen, daß ich nicht mehr auf meinen Backofen achtgeben konnte, und mir darum alle Weihnachtsplätzchen angebrannt waren. Man konnte sie zwar noch essen, aber sie schmeckten doch etwas streng.'
Das Christkind will gerade den netten lustigen Weihnachtswunsch - Brief an den nächsten Engel weitergeben, damit dieser den Brief auch lesen kann, da nimmt das Christkind plötzlich seine Hand, die den Brief hält, zurück, betrachtet den Engel genauer und sagt: ,,halt, kleiner Engel, kannst du denn schon lesen?"
Da erwidert der kleine Engel dem etwas mißtrauisch dreinblickenden Christkind:
Kleiner Engel heiß ich
was darin steht weiß ich,
was der Mensch geschrieben und gedacht,
weiß ich schon bevor er hat's gemacht!
,,Das hast du aber schön gedichtet, lobt das Christkind den kleinen Engel, hält sich aber sofort eine Hand auf seinen Mund, weil es befürchtet, lachen zu müssen. Und das hätte den kleinen Engel wirklich beleidigen können
Der kleine Engel sieht aber auch so drollig aus, daß jeder hätte lachen müssen, als er sein Gedicht vorträgt und dabei mit seinen Augen rollt. Mit einem Auge nach oben, mit dem anderen Auge nach unten.
Dabei bläst er seine Backen auf, während er beim Atemholen jedesmal mit seiner Zunge über seine Lippen leckt.
Alle anderen Engel, die dabei waren, denken gar nicht daran über den kleinen Engel zu lachen. Sie kennen sich schon alle über tausende von Jahren und haben sich so aneinander gewöhnt, daß es darüber überhaupt nichts zu lachen gibt.
''Alle mal zuhören,'' ruft jetzt das Christkind, ,,aber wer kann mir nun sagen, welches Geschenk der Nils aus Rosbach von der Kirch-Straße Nr. 9, sich nun wirklich von seiner Oma Ellen und seinem Opa Klaus zu Weihnachten wünscht, damit ich ihm das Geschenk unter den Weihnachtsbaum legen kann? ''
Die Engel schweigen und schauen sich an.
Und das Christkind fährt fort zu sprechen:'' also, hier in diesem Brief lese ich so komische Sachen, aber was das nun für ein Geschenk sein soll, davon steht hier nichts geschrieben!''
Da tritt der kleine Engel ganz nah an das Christkind heran und flüstert: ,,weißt du ob Nils seinen Brief auch wirklich selbst geschrieben und an Oma Ellen und Opa Klaus
geschickt hat, damit die schon einmal bezahlen können?''
Das Christkind beugt sich etwas zum kleinen Engel und flüstert ebenso leise:
,,ich weiß es nicht, der Brief kann ja noch geschrieben werden mit dem Wunsch. Das Geschenk sollte aber schon bezahlt sein, denn, wenn ich in das Geschäft fliege und hole das Geschenk ohne zu bezahlen, denkt doch der Verkäufer, er sei bestohlen worden. Erwischen würde ich mich nicht lassen, aber eine dumme Sache wäre das doch.
Noch etwas Zeit haben wir ja bis Weihnachten, aber dann muß ich hart arbeiten, um über die Runden zu kommen und habe keine Zeit mehr, um Wunschbriefe zu lesen.''
Während das Christkind so spricht, befürchtet der kleiner Engel, es würde noch recht lange so weiter reden und tritt ungeduldig von einem Bein auf das andre dabei bläst er die Backen auf und laßt die Atemluft mit einem gut hörbaren, dumpfen Zischen durch seine zusammengepreßten Lippen ins Freie.
Endlich kann der kleine Engel, der immer sowieso alles weiß, sogar das, was noch gar nicht passiert ist, zu Worte kommen. Er senkt den Kopf dreht das linke Auge nach unten, das rechte nach oben, richtet einen Zeigefinger zum Boden der Wolke, auf der sie stehen und sagt laut, damit ihn auch all die anderen Engel hören können:
,,Ich weiß, was ich weiß. Ich weiß genau, daß in diesem Augenblick der Opa von Nils dem Nils einen Brief schreibt, der gar kein richtiger Brief ist sondern schon eine Art von Nikolausgeschichte. Dieser Opa, er heißt übrigens Klaus, wie du schon weißt, wird von den Kindern auch noch Unsinnopa genannt. Dieser Unsinnopa führt doch etwas im Schilde. Was dabei herauskommt, das werden wir ja noch erleben.''
Sofort spitzen die anderen Engel noch mehr ihre Ohren und rufen in die Richtung des kleinen Engels:'' sage uns bitte, was dieser Unsinnopa so alles vorhat? Du weißt doch immer alles!''
Darf ich nicht verraten!'' ruft der kleine Engel zurück in die Richtung der anderen Engel, und stellt sich auf seine Zehenspitzen, um sich besonders groß zu machen. Aber das fällt niemandem auf, weil er einfach zu klein ist.
'' Wenn ich euch sage, was dieser Opa für einen Unsinn schreibt, dann erfährt er das sofort über sein Spracherkennungs- Programm in seinem Computer und dann ändert er schnell den Brief mit dieser Geschichte. Dann passiert das, was er zuvor geschrieben hat, überhaupt nicht und ihr könnt darüber auch nichts mehr erfahren, weil es eben nicht oder wieder etwas ganz anderes passiert oder auch nicht.''
Da ist nun guter Rat teuer. Alle denken jetzt über Unsinn nach aber die Engel können sich nicht vorstellen, was Unsinn eigentlich ist. Sie blicken auf das Christkind, vielleicht weiß es etwas darüber. Aber das Christkind blickt schweigend geradeaus, weil es sich im Kopf ausrechnet, ob die Vorräte an Mehl, Milch, Zucker und Eier auch wirklich für hundert Millionen Weihnachtsplätzchen ausreichen.
Alle im Weihnachtshimmel schrecken plötzlich auf, weil ein lautes Geräusch wie von einem Wirbelwind vermischt mit dem Wiehern von Pferden zu hören ist. Aber schnell beruhigen sie sich wieder, denn sie kennen diesen Lärm. Das ist der Nikolaus mit seinem Pferdeschlitten auf der Fahrt zurück in den Himmel.
Jetzt können sie auch den Pferdeschlitten sehen, wie er wie ein Rennwagen so schnell auf sie zukommt, in einer Wolkenkurve hin und her schlingert, sich beinahe überschlägt, sich wieder fängt, und mit Mühe und Not genau vor dem kleinen Engel zum Stehen kommt. Dieser macht noch einen Satz zur Seite soweit er es mit seinen kleinen Beinchen vermag. Aber das ist gar nicht nötig gewesen, weil es eine Punktlandung gewesen ist.
Sofort eilen einige Schutzengel herbei, um den Pferdeschlitten zu untersuchen, ob vielleicht Schnapspralinen- Schachteln aufzuspüren sind. Aber der eine Schutzengel, der so gerne die furchtbar süße Milchstraßenmilch aus der Tube herausnuckelt, die ihm der Nikolaus jedes Jahr auf dem Rückweg von der Erde mitbringt, damit das mit seinen Schnapspralinen in Ordnung geht, springt als erster auf den Pferdeschlitten, greift mit der Hand unter die Sitzbank und schwuppdiwupp läßt er drei leere Schnapspralinenschachteln und drei volle Tuben von der furchtbar süßen Milchstraßenmilch unter seinem langen weißen Gewand verschwinden.
Erst jetzt bemerken die anderen Engel und auch das Christkind, daß der Pferdeschlitten ohne den Nikolaus zurückgekommen ist.
''Das habe ich mir gedacht! ,, ruft der keine Engel, da steckt doch irgend ein Unsinn dahinter.
,,Und ich brauche doch den Nikolaus gerade jetzt vor Weihnachten, ,,sagt mit trauriger Stimme das Christkind, und schaut mit seinen großen schwarzen Augen auf den noch kleinen glitzernden Weihnachtsstern, der von Tag zu Tag immer größer wird und genau an Weihnachten und genau über dem Dach vom Haus des Christkindes stehenbleibt.
'' Ohne ihn, bin ich aufgeschmissen, wenn mir das Mehl, die Eier, der Zucker und die Milch ausgehen. Nur er kann eine größere Menge von diesen Sachen auf seinen Nikolausschlitten laden, die er mir aus dem himmlischen Zentrallager holen soll, wenn was davon ausgeht.
,,Beruhige dich doch liebes Christkind, ,,versucht der kleine Engel das Christkind zu trösten, ,,den Nikolaus werden wir suchen und finden. Ich bringe ihn dir rechtzeitig zurück, damit du nicht in Verlegenheit kommst.
Es wäre allerdings sehr nützlich, wenn du mir drei deiner Engel, die du für eine kurze Zeit entbehren kannst, für die Suche nach dem Nikolaus, ausleihst.''
Erwähle sie dir selbst, kleiner Engel, du kennst dich da besser aus als ich'', entgegnet das Christkind und seine Stimme klingt mit einem Mal wieder ganz fröhlich.
Da tritt der kleine Engel einen Schritt beiseite, rollt zur gleichen Zeit seine beiden Augen nach oben und auch noch zusätzlich nach innen, klatscht in die Hände so laut, daß alle Engel im gesamten Himmelreich alles stehen und liegen lassen, was sie so gerade in der Hand haben, um ihre Ohren spitzen.
,,Alle mal herhören'', ruft der kleine Engel so laut er kann, ,,es geht um den Nikolaus, der im Himmel amtlich als vermißt gemeldet ist. Wir vermuten, daß er auf der Erde verschollenen ist. Ich habe den Auftrag vom lieben Christkind, einen Suchtrupp aufzustellen, den Nikolaus aufzufinden und in den Himmel zum Christkind zurückzubringen.
Ich benötige drei Alleskönner- Engel, aber nur diejenigen, die sich in Rosbach auskennen. Ich vermute nämlich aufgrund einer von einem gewissen Unsinnopa geschriebenen Nikolausgeschichte, daß der Nikolaus sich in der Nähe seiner Enkelkinder, die Nils und Edda heißen, aufhält.''
Der kleine Engel macht eine Pause, um erst einmal richtig Luft zu schnappen. Sofort umringen ihn fast hundert Engel in einem Kreis, und wollen unbedingt mit zur Erde.
Nachdem der kleine Engel wieder genug Luft zum Atmen geholt hat, rollt er seine Augen wieder ganz normal gerade, betrachtet aufmerksam die Schar der Engel.
,,Am liebsten und am erfolgversprechendsten sind mir die drei persönlichen Schutzengel von jenen verdächtigen Personen, die zu diesem Zeitpunkt in irgendeiner Verbindung mit dem Nikolaus stehen ,,fährt der kleine Engel mit seiner Ansprache fort und kratzt sich mit der rechten Hand heftig an seinem rechten Ohr:
''Aufgrund meiner bisherigen Untersuchungen von Weihnachtsbriefen und Nikolausgeschichten benötige ich spezielle Schutzengel wie folgt.''
Der kleine Engel hebt jetzt die rechte Hand mit dem rechten Daumen hoch, dann den Zeigefinger und zuletzt den Mittelfinger und spricht weiter, betont und langsam:
,,1. Den Schutzengel für Nils Wrasse aus Rosbach
2.Den Schutzengel für einen gewissen Unsinnopa aus Rosbach
und 3. Als letzter den Geschwister - Schutzengel , also den Schutzengel für Edda Wrasse aus Rosbach. Warum? Das werdet ihr noch sehen!
Ende der Durchsage!''
Als der kleine Engel zum Schluß seiner Ansprache kommt, läßt er seinen erhobenen rechten Arm wieder herunterfallen, schließt die Augen und wartet.
Nach einer kleinen Weile öffnet er seine großen Augen. Vor ihm stehen einer neben dem anderen drei Schutzengel.
Der erste von links in der Reihe beginnt mit seiner Vorstellung: ,,Guten Abend kleine Engel, ich bin der Schutzengel von Nils aus Rosbach. Er schläft gerade, sonst wäre ich nicht hier.
Danach spricht der zweite:'' Hallo, kleiner Engel, ich bin der Schutzengel vom Unsinnopa Klaus aus Rosbach. Er schreibt einen Brief an Nils. Er raucht schon wieder eine Zigarette. Diesen Qualm kann ich nicht ausstehen, darum bin ich jetzt hier so lange bis seine Zigarette zu Ende geraucht ist.''
Der kleiner Engel stutzt einen Augenblick und dann erkennt er ihn sofort wieder, und sagt in Gedanken zu sich selbst, daß ihn keiner hören kann:
,,Aha, der Milchstraßenmilch- Engel, der Freund vom Nikolaus, die miteinander geheimnisvolle, süße Schnapspralinen- Schnuckel und Milchstraßenmilch -Nuckel- Geschäfte machen. Du kommst doch nicht nur wegen des Zigarettenqualms zurück in den Himmel, sondern auch, um mal schnell an der super süßen Milchstraßenmilch- Tube zu nuckeln''.
Es entsteht eine Pause und alle schauen auf den dritten, den letzten Schutzengel, um seine Vorstellung zu hören.
Als sie alle lange genug gewartet haben, sagt der kleine Engel mit ganz freundlicher, leiser Stimme,während er den Schutzengel von Edda anlächelt:
,,ich kenne dich,sag' schon was, du brauchst nicht rot zu werden.
Da endlich hat der Edda- Schutzengel seine Scheu vordem kleinen Engel. überwunden und spricht:
''Ich bin der Schutzengel von Edda aus Rosbach. Sie schläft noch nicht, weil sie gerade in einem Buch liest.Ihre Mama und ihr Papa sind im Wohnzimmer und schauen sich einen Krimi im Fernsehen an. Ich denke, sie kann einen kleinen Moment auf mich verzichten.
'' Vielen Dank'', sagt darauf der kleine Engel. Ich treffe jetzt alle Vorbereitungen für die Fahrt zur Erde nach Rosbach. Wir treffen uns in fünf Minuten auf der Wolke Schönweißchen.
Nils, seine Schwester Edda, die Mama, der Papa: und alle Leute auf der Erde sind jetzt kolossal gespannt auf den Nikolaus, denn heute ist Nikolaustag. Es ist schon sechs Uhr am Abend und schon ganz dunkel.
Nils und Edda sitzen in der guten Stube. Aber dann stehen sie wieder auf, laufen herum und fragen ihre Mutter. ,,wann kommt er denn endlich?"
Die Mutter meint, der Nikolaus habe sicherlich eine Menge zu tun bei den vielen Kindern in Rosbach und Verspätungen sei etwas ganz Normales beim Nikolaus.
Gerade als die Kirchturmuhr sieben Mal schlägt, pocht es dreimal dumpf und heftig an der Haustür. Die Kinder schrecken auf, und bleiben wie fest gewachsen erst einmal dort stehen wo sie gerade sind.
,,Macht doch die Tür bitte auf ,''ruft die Mutter: die gerade das Geschirr vom Abendessen in die Spülmaschine einräumt. Nils, der mit seinem Alter von acht Jahren vier Jahre jünger ist als seine Schwester Edda, tritt einen Schritt zurück und flüstert:
,,mach du das. Du bist älter, außerdem ein Mädchen. Dir tut er nichts!''
Edda ist immer noch blaß von dem Schreck, aber sie überwindet sich tapfer und öffnet vorsichtig, langsam die Haustür. Und tatsächlich da draußen im Halbdunkel steht der Nikolaus auf der obersten Treppenstufe direkt vor Edda.
Obwohl sie wieder einen kurzen Augenblick erschrocken ist, weil es eben der Nikolaus ist, bei dem alle Kinder sich erst einmal erschrecken müssen, wenn sie ihn sehen, auch wenn sie wissen, daß er ein guter Mann ist und zusätzlich ihnen schöne Sachen bringt, wenn sie einigermaßen brav gewesen sind.
Da kommen auch die Mutter und der Vater angelaufen und die Mutter ruft schon bevor sie die Haustür erreicht hat:
,,Guten Abend lieber Nikolaus, kommt doch herein in die gute Stube; da draußen im Schnee ist es doch bitter kalt!''
,,Guten Abend Nikolaus! ,, sagen auch Nils und Edda wie aus einem Munde.
,,Grüß Gott! ,, murmelt der Nikolaus in seinen langen, weißen Nikolausbart, der so dicht um sein Gesicht herumgeht, daß man fast nur noch seine großen, schwarzen Augen mit den buschigen Augenbrauen und kaum noch etwas von seinen Lippen sieht. Er klopft sich den Schnee von seinen Stiefeln ab und stapft in das warme Wohnzimmer, wohin ihn alle begleiten. Im Wohnzimmer stehen sie nun um den Nikolaus herum und sagen erst einmal gar nichts.
Edda und Nils haben beide unheimlich Herzklopfen, denn sie wissen ja gar nicht, was der Nikolaus mit ihnen vorhat. Einige ältere Kinder erzählen immer wieder, daß unartige Kinder zur Strafe in den Nikolaussack hineingesteckt und irgendwo in einem finsteren Wald freigelassen werden. Dann können sie sehen, wie sie alleine nach Hause finden.
Aber da beginnt der Nikolaus schon zu sprechen:
''Vom Himmel hoch da komm ich her,
ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr,
all überall auf den Sternenspitzen
sah ich goldene Lichter blitzen,
und oben aus dem Himmelstor
schaut mit großen Augen das Christkind hervor.
Als er so gesprochen hatte, nimmt er seinen Nikolaussack von der Schulter, greift mit einer Hand hinein und sagt dabei:
,,Ich habe euch auch etwas Schönes mitgebracht... stockt dann ein Moment,
wühlt heftig in der Tiefe des Nikolaussackes herum, zieht seine Hand wieder heraus, öffnet sie, und alle können sehen, was der Nikolaus auf der flachen Hand hält: zwei Haselnüsse!
Zwei ganz normale Haselnüsse, nicht so groß und nicht so klein. Sonst nichts
Alle betrachten erstaunt und auch etwas ratlos die beiden Haselnüsse auf der Hand vom Nikolaus und besonders lange der Nikolaus selbst.
Seine Hand wird von Sekunde zu Sekunde unruhiger, während die beiden Haselnüsse in seiner Hand hin und her rollen, gegeneinander stoßen und dabei kurze, Klick- Klingtöne von sich geben wie von sehr, sehr kleinen Glöckchen.
Schließlich läßt er seinen Nikolaussack langsam auf den Fußboden gleiten, und alle sehen, daß der große Nikolaussack ganz schlaff da liegt und vollkommen leer ist.
Dann macht der Nikolaus einen Schritt zum Wohnzimmertisch und legt die beiden Haselnüsse neben die brennende Kerze, die Mutter zu Ehren des Nikolaus schon am frühen Abend angezündet hat.
,,Auch das noch! Ein Unglück kommt selten allein! ,, brummt der Nikolaus in seinen Bart und streicht sich mit der Hand über seine rechte Stirnseite.
Die Mutter hat sogleich die bläulich- rote Beule auf seiner Stirn bemerkt und fragt den Nikolaus besorgt, ob er auf dem glatten Schnee ausgerutscht und mit seinem Kopf auf den Boden aufgeschlagen sei.
''Nicht ganz so, aber mit dem Kopf auf den Boden aufgeschlagen, das bin ich. Ich bin in einer Kurve über Rosbach zu schnell gefahren. Mein Schlitten schlingert plötzlich so stark, daß ich mich nicht mehr festhalten kann und zur Erde hin falle. Zum Glück habe ich einen Fallschirm aus Nebelseide. Wie die Landung war, das kann man jetzt sehen.
Habe alle Geschenke für die Kinder über ganz Rosbach verloren bis auf zwei Haselnüsse ,,, brummelt der Nikolaus mit trauriger Stimme in seinen langen Bart und tastet mit zwei Fingern seine Beule ab, um zu fühlen, wie groß die eigentlich ist.
Jetzt kann der Papa von Edda und Nils sich nicht mehr zurückhalten, geht auf den Nikolaus zu und sagte: ,,Moment mal, ich verstehe beruflich von dem etwas,was mit Beulen am Kopf zu tun hat. Lieber Nikolaus setze dich bitte auf diesen Sessel, damit ich deine Beule besser untersuchen kann.''
Gesagt, getan. Der Nikolaus setzt sich in den großen, bequemen Sessel, atmet erleichtert tief ein und wieder aus:
''Gemütlich und weich wie in einer Sonnenwolke. So könnte ich ewig sitzen bleiben.'' Mit diesen Worten kuschelt er sich noch tiefer in den Sessel und legt seinen Kopf zurück auf die weiche Rückenlehne, damit der Papa die Beule besser sehen kann.
Der Papa betrachtet sich die Beule an seiner Stirn ganz genau, tastet mit einem Zeigefinger um diese herum und fragt: ''tut das hier weh?''
''Nein überhaupt nicht mehr'',antwortet der Nikolaus, und ist selber froh darüber, daß ihm vom Papa nicht weh getan worden ist.
,,Ist nichts Schlimmes'', tröstet der Papa den Nikolaus, ,,du hast Glück im Unglück gehabt.''
Jetzt kann Edda sich nicht mehr zurückhalten und ruft: ,,ich hole einen kalten Lappen! Wenn wir uns gestoßen haben, macht mein Opa Klaus das bei uns immer mit einem nassen, kalten Lappen, den er auf die Beule legt''.
''Eh, genau!'' stimmt Nils Edda zu und beide Kinder eilen in die Küche, nehmen einen frischen, sauberen Küchenlappen ,lassen kaltes Wasser aus dem Wasserhahn darüber laufen, drücken den nassen Lappen mit den Händen aus, damit er nicht tropft und eilen zurück in die gute Stube.
Der Papa will das feucht kühle Tuch aus Eddas Hand nehmen, aber Edda sagt schnell: ''Nein, das mach ich!''beugt sich zum Nikolaus hin und legt ihm vorsichtig und ganz zart den feuchten, kalten Lappen auf seine Stirn, so daß die Beule ganz davon bedeckt sein soll. Sie läßt ihre kleine Hand leicht auf dem Lappen liegen, damit dieser nicht von der Stirn des Nikolaus herunter rutschen kann. Dann hebt sie den Lappen noch einmal an, um sicherheitshalber zu sehen, ob er auch wirklich richtig auf der Beule liegt, aber... die Beule ist plötzlich verschwunden.
Wo ist denn die Beule? Diese oder die andere Seite seiner Stirn? Sie sucht und sucht nach der Beule auf der Stirn des Nikolaus, aber die Beule bleibt verschwunden.
Die Mutter und der Vater gucken auch genau hin und Nils kniet sich sogar auf die Sessellehne, hält sich an der Schulter des Nikolaus mit seinen beiden Händen fest,senkt sein Gesicht fast auf den Bart vom Nikolaus, um noch genauer gucken zu können.
,,Genug, genug, ich danke euch für eure Hilfe, ich bin jetzt vollkommen in Ordnung, wirklich tip top.''
''Aber warum bist du so schnell gesund geworden, lieber Nikolaus, das gibt es doch nur im Märchen ,,,fragt der Nils ganz erstaunt.''
''Das war Edda. Als sie mir den feuchten, kalten Lappen auf die Stirn legte, hat sie sich in ihrem Herzen ganz, ganz stark gewünscht, ich solle schnell gesund werden und hat ganz, ganz fest daran geglaubt, daß es mir hilft, ,,antwortet der Nikolaus, rutscht etwas auf dem Sessel herum, um sich wieder gerade hinzusetzen. ,,Der Glaube ist das Wichtigste. ,,,fügt er hinzu, nickt nachdrücklich mit dem Kopf und schaut jeden im Zimmer ernst an und dann... lächelt er zum ersten Mal.
Alle sind sehr froh als sie sehen, daß der Nikolaus mit seinen Augen lächelt. Das Lächeln seiner Lippen sieht man ja nicht, weil sein weißer Bart soviel davon verdeckt.
,,Ihr könntet jetzt für mich ein paar Weihnachtslieder singen'', auch wenn ich für jedes Kind nur eine Haselnuß als Geschenk bringen kann.''
Das lassen die Kinder sich nicht zweimal sagen und schon sitzt Nils auf dem Klavierhocker am Klavier. Edda hat auch gleich ihre Querflöte in der Hand und zählt:''eins, zwei, drei und schon beginnt ihr Konzert und alle - auch der Nikolaus - singen die Weihnachtslieder: Nikolaus komm in unser Haus und Leise rieselt der Schnee.
'' Das habt ihr wirklich sehr schön gespielt und gesungen, ich danke euch!'' lobt der Nikolaus die Kinder.
Alle glauben insgeheim, der Nikolaus würde sich nun von ihnen verabschieden wollen, aber dem ist nicht so. Er setzt sich wieder in seinen bequemen Sessel und streckt die Beine unter den Tisch.Als wenn er ihre Gedanken lesen könne, spricht er:
''Eigentlich müßte ich jetzt schon wieder auf dem Weg zurück in den Himmel sein, um neue Nikolausgeschenke aus dem himmlischen Zentrallager in meinen Schlitten zu laden. Aber das geht leider nicht,''spreizt beide Arme als Zeichen seiner Verzweiflung auseinander und fährt mit trauriger Stimme fort:
,,mein Pferdeschlitten ist ohne mich in den Himmel zurück gefahren. Das hat mit der Beule zu tun.''
Jetzt ist wirklich guter Rat teuer. Der Papa faßt sich unter sein Kinn und sagte nur: ,,Oh je.'' Die Mutter streicht mit der Hand dem armen Nikolaus über seine Schulter und tröstet: ,,es wird schon alles wieder gut werden.''
,,Ja, ja, du hast schon recht, man soll Hoffnung und Glaube nie aufgeben ,,erwidert der Nikolaus und betrachtet die beiden niedlichen Haselnüsse, die immer noch bei der brennenden Kerze auf dem Wohnzimmertisch liegen. Dann beugt er sich nach vorne nimmt eine Haselnuß in die eine Hand, die andere Haselnuß in die andere Hand, streckt beide Arme über den Tisch hin, einen Arm zu Edda, den anderen Arm zu Nils und sagt dabei: ,,nehmt wenigstens die beiden Haselnüsse als ein Geschenk vom Nikolaus. Mehr habe ich ja nicht.''
,,Vielen, vielen herzlichen Dank, lieber Nikolaus'' rufen beide Kinder zur gleichen Zeit, und ihre Hände schließen sich fest um die Haselnuß.
''Die hebe ich mir auf als Andenken an dich und den schönen Nikolausabend mit dir,'' beteuert Edda.
Und Nils schließt sich an: ,,die werde ich nicht aufessen, nie, nie niemals in meinem Leben. Ich habe ein Schmuckkästchen, da tu ich die rein.''
Den beiden Kindern und der Mutter und dem Vater und ganz besonders dem Nikolaus wird es ganz warm in ihren Herzen. Edda muß immer den Nikolaus anschauen und sieht, daß er richtig feuchte Augen vor lauter Herzensfreude bekommt.Da hat sie den Nikolaus so lieb gewonnen, daß sie tief in ihrem Herzen ganz stark wünscht, er möge bald wieder zurück zum Christkind mit sein Pferdeschlitten fahren können.
III. Kapitel
Himmlischer Besuch
Auf der Wolke Schönweißchen steht der Nikolausschlitten. In den Schlitten steigen gerade der kleine Engel, der Milchstraßenmilch- Engel, der Edda-Schutzengel und der Nils- Schutzengel ein und setzen sich auf die Sitzbänke. Die sechs Pferde vor dem Nikolausschlitten sind unruhig, scharren mit ihren Hufen auf dem Wolkenboden so ungeduldig herum daß viele kleine Wolkenspritzer in den weiten Himmel davon treiben. Alle sind jetzt bereit für die Schlittenfahrt zur Erde.
Auf der vorderen Bank, auf dem Kutschbock sitzt der kleine Engel, die Zügel in beiden Händen. Er scheint noch auf irgend etwas zu warten, denn noch gibt er den Pferden nicht sein Zeichen zum Losrennen.
Der kleine Engel neigt seinen Kopf etwas zu Seite, schließt die Augen und ruft:
,,Ihr Pferde! Ich bitte euch um einen einzigen Augenblick um Ruhe! Ich erwarte eine Botschaft mit einem sehr starken, dringenden Wunsch eines Kindes, das Edda genannt wird. Ohne Kenntnis ihres Wunsches können und dürfen wir nach einer gesetzlichen Vorschrift vom Christkind nicht zur Erde hinunter fahren!''
Alle Pferde, auch die Engel auf dem Schlitten sind jetzt mucksmäuschenstill. Nach einer kleinen Weile hebt der kleine Engel seinen Kopf, öffnet die Augen und sagt:
''Achtung! Ich habe eine Verbindung mit dem Nikolaus und den beiden Kindern Edda und Nils. Die Kinder möchten dem Nikolaus wieder zu seinem Pferdeschlitten verhelfen und das Mädchen Edda wünscht es sich sogar so stark, daß der Nikolaus vor Herzensfreude feuchte Augen hat.''
''Hurra! Hurra! die Botschaft ist endlich da! Jetzt dürfen wir wirklich Losfahren'', rufen freudig alle auf dem Schlitten und die sechs Pferde wiehern gleichzeitig drei Mal hintereinander. Der kleine Engel läßt seine Augen vor lauter Überglück wie die Flügel einer Windmühle drehen - das linke Auge rechts herum und das rechte Auge links herum nur schneller als sonst- schnalzt mit seiner Zunge, lockert die Zügel der Pferde und ab geht es wie der Blitz an den Sternen vorbei direkt zur Milchstraße - denn die Milchstraße ist immer noch der kürzeste Weg vom Himmel zur Erde.
Unterdessen sitzen der Nikolaus, Edda und Nils und deren Eltern in der guten Stube auf dem Sofa und den Sesseln um den Wohnzimmertisch herum. Alle warten darauf, daß irgend ein Wunder den Nikolausschlitten zurückbringen möge.
Der Papa meint sogar, Pferde seien doch sehr kluge Tiere und wüßten genau, an welcher Stelle der Nikolaus vom Schlitten gefallen ist. Irgendwann werden sie schon an diesen Ort zurückkommen, um den Nikolaus zu suchen, besonders dann, wenn sie Hunger bekommen und vom Nikolaus gefüttert werden wollen.
Zwischendurch bringt die Mutter schon den zweiten vollen Teller selbstgebackener Weihnachtsplätzchen, dazu allerlei andere Süßigkeiten, und heißen Früchtetee für jeden.
Der Nikolaus ißt am liebsten die Plätzchen, die wie kleine Monde aussehen, die schon so stark nach Vanille schmecken, daß die anderen höchstens nur eins oder zwei oder allerhöchstens auch mal drei davon essen können, weil es sonst widerlich ist. Die Mutter entschuldigt sich drei Mal oder sogar noch mehr, ihr sei bei der Zubereitung ein großes Päckchen mit Vanille aufgeplatzt und in den Plätzchenteig hinein gefallen. Aber der Nikolaus streicht sich genüßlich bei jedem Bissen über seinen Bauch während er die Vanille- Mondplätzchen knabbert, so gut schmecken sie ihm. Das Christkind geht nämlich mit seinen eigenen Plätzchen immer sehr sparsam mit der Vanille um.
Einmal greift der Nikolaus wie zufällig sogar nach einer Schnapspraline, die irgendwie unter die Plätzchen gekommen ist. Aber Nils hat das sofort bemerkt, hebt seinen Zeigefinger hoch und meint mit einem verschmitzten Blick seiner Augen, wenn er die Schnapspraline esse, könne das Fahren mit seinem Pferdeschlitten vielleicht gefährlich werden. Da muß der Nikolaus laut und herzlich lachen, aber er läßt sofort die Schnapspraline wieder in den Teller zurückfallen und nimmt statt dessen wieder ein Vanille- Mondplätzchen.
''Du bist ein lieber Junge, weil du so sehr um mein Wohlergehen besorgt bist'', und der Nikolaus lächelt wieder mit seinen Augen.'' Offensichtlich haben wir noch etwas Zeit bis der Pferdeschlitten mich abholt, so daß ich euch meine unglückselige Geschichte erzählen kann.''
,,Au ja rufen beide Kinder und die Eitern nicken zustimmend und Nils denkt ab jetzt immer und immer wieder, hoffentlich kommt der Pferdeschlitten nur nicht so bald zurück.
Der Nikolaus nimmt sich zuvor noch einmal ein Vanille- Mondplätzchen kaut, und schluckt alles so schnell, daß er sich verschluckt und mehrere Male kräftig husten muß. Als er alles mit einem Schluck Früchtetee herunter gespült hat und sein Mund leer ist, berichtet er ihnen alles haargenau von seiner abenteuerlichen Fahrt vom Christkind im Himmel zur Erde und dann geradewegs hierhin bis zu Edda und Nils.
Auf der Hauptverkehrsstraße vom Himmel zur Erde, der Milchstraße, die mit leuchtenden Sternen gepflastert ist, damit man nicht im Dunkeln vom Wege abkommt und herunterfällt, ja, da habe er einen Umweg über eine kleine Wolkenstraße zu einer himmlischen Fabrik gemacht , die fast am Ende des Himmels liegt. Die Engel dort fabrizieren alles, was man so aus Schokolade herstellen kann. Zum Beispiel Schokolade- Nikolause, Pralinen mit allerlei Füllungen und auch die unheimlich süße, dickflüssige Milchstraßenmilch in Tuben.
Natürlich hat er nur drei oder vier Schnapspralinen unterwegs gegessen, so ganz genau weiß er das auch nicht mehr.
Zwischendurch kommt der Nikolaus immer wieder mal vom Thema seiner verunglückten Schlittenfahrt zur Erde ab und plaudert sozusagen aus dem Nähkästchen, was ihm gerade vom Himmelreich so einfällt.
Langeweile gibt es wegen der vielen Engel dort überhaupt nicht. Immer ist etwas los, zum Beispiel, wenn der Engelchor neue Weihnachtslieder einübt und die Jünglingsengel, die im Stimmbruch sind so schön falsch singen. Dann können die anderen Engel nicht mehr ernst bleiben - obwohl sie das wollen, weil man doch bei Weihnachtsliedern nicht lachen darf und beim Lachen auch nicht richtig singen kann. Sie müssen aber trotzdem so darüber lachen, daß sogar die Sterne davon angesteckt werden und nicht aufhören können damit, die ganze Nacht lang mit ihren Gesichtern zu funken und mit ihren Augen zu blinken.
Eine Engelschule gibt es auch mit über hundert Fächern, die der Nikolaus den beiden Kindern alle gar nicht in der kurzen Zeit hier aufzählen kann . Aber die Mathematik ist dort ein sehr beliebtes Fach, besonders für den Schutzengel von Edda. Aus diesem Grund wird er auch um die Weihnachtszeit dringend vom Christkind benötigt, die Vorräte der Backzutaten für die Weinachtsbäckerei auszurechnen.
Während der Nikolaus das so locker und scheinbar ohne irgendwelche Hintergedanken berichtet: zwinkert er der Edda mit einem Auge zu und bemerkt so ganz nebenbei: daß die Schutzengel sich immer am meisten freuen, wenn sie durch ein Gebet gerufen werden, um ihren Schutzbefohlenen helfen zu dürfen.
Das Modernste und sehr beliebt im Himmel ist seit einem halben Jahr das Wolken-GoCart- Rennen.
Hier macht der Nikolaus ebenfalls eine Pause und zwinkert mit dem anderen Auge dem Nils zu und spricht dann weiter.
Einige hochqualifizierte Technikerengel haben ein Go-Cart aus einer streng geheim gehaltenen Mischung aus Wolkensubstanz und Sternenstaub hergestellt. Zu dessen Antrieb dient ein Raketenmotor, der nicht mit Benzin, sondern mit einer öligen Sonnenglutsubstanz gespeist wird. Die Geschwindigkeit dieser Sternenstaub- Go-Carts ist so unglaublich groß, daß für solche Rennen nur Röhrenwolkenstraßen in Frage kommen, um zu verhindern, daß die Sternenstaub- Go- Carts in Kurven zu weit hinweg geschleudert werden.
Und immer weiter erzählt der Nikolaus fast ohne Pause:
Wir haben im Himmel einen hochangesehenen und sehr einflußreichen Engel, den wir alle den kleinen Engel nennen. Dieser hat zunächst von diesen Rennen nichts wissen wollen und hat solche Rennen als den größten Unsinn bezeichnet.
Beim ersten Himmelsternstaub- Go-Cart-Rennen ist er sogar mit einer Schar Polizeiengeln erschienen, um das Rennen abzubrechen und für alle Ewigkeit zu verbieten. Aber das Rennen hatte schon begonnen. So hat er gegen seinen Willen erst einmal zuschauen müssen.
Als dann die Sternstaub- Go-Carts in der Arena herum geflitzt sind, hat er gerufen, das ist der größte Unsinn, den es je gegeben hat. Aber dann hat er in die Hände geklatscht, seine Augen hin und her rollen lassen und seine Polizeiengel nach Hause geschickt. Von da an, ist er immer auf der Ehrentribüne zu sehen, wenn Himmelsternstaub- Go-Cart- Rennen stattfinden.
Die Engel- Rennfans sagen seitdem kurz und bündig: 'das Unsinnrennen', wenn sie davon sprechen, weil es ihnen Spaß macht,sich ein ganz, ganz klein wenig über den kleinen Engel lustig zu machen, ohne ihn beleidigen zu wollen.
Der Nikolaus macht jetzt doch noch eine kleine Pause, um einen Schluck vom Früchtetee zu trinken7 dann spricht er weiter.
Nicht zuletzt gibt es auch Geschäftsengel, die einen regen Handel unter sich betreiben wie zum Beispiel: gib du mir Butter, dann gebe ich dir Eier, gib du mir einen großen Stern, dann gebe ich dir zwei kleine Sterne, oder gib du mir dies , dann gebe ich dir das und so weiter und so fort, weil es ja kein Geld im Himmel gibt.
Die beiden Kinder hören gebannt dem Nikolaus zu. Aber jetzt können sie sich nicht mehr zurückhalten, als sie die Sachen mit den Geschäftsengeln vernehmen, und das auch noch aus dem eigenen Mund vom Nikolaus.
Edda ruft: ,, Nun wird mir so manches klar!'' und kichert in sich hinein. Nils geht es ebenso und legt aufgeregt los: ''ich glaube, ich weiß jetzt, warum das alles passiert ist'' und danach so leise, daß der Nikolaus es nicht so genau hören soll: ,,gib mir die Schnapspralinen, dann gebe ich dir die Milchstraßenmilch- Tuben!''
Aber der Nikolaus brummt so etwas wie: ,,so, so'' vor sich hin oder überhört das scheinbar aus irgendwelchen Gründen, hebt die Hand, denn er will mit seinem Bericht fortfahren.
Er wisse ja auch, daß Nils ein Detektiv, ein Indianer und ein Polizist und ein richtiger Go-Cart- Fahrer sei, aber mit einem echten Benzinmotor.
Die Angelegenheit hinsichtlich seiner Polizeiuniform, die er sich wünscht, sei aber eine Angelegenheit für das Christkind. Er könne aber beim Christkind für ihn ein gutes Wort einlegen.
Dann nimmt der Nikolaus sein eigentliches Thema mit seiner Schlittenfahrt zur Erde wieder auf:
''Nun ja, über Rosbach mache ich eine scharfe Kurve mit meinem Pferdeschlitten, wahrscheinlich zu schnell, denn mein Schlitten schlingert so stark, daß ich mich an meinem Nikolaussack festklammere. Aber das hilft nicht. Ich werde plötzlich mit meinem Nikolaussack aus dem Schlitten geschleudert und falle und falle durch alle Wolken. Während des Fallens öffnet sich zu allem Unglück auch noch mein Nikolaussack und alle Geschenke fallen ganz verstreut über das Dorf Rosbach und vielleicht auch etwas
davon in euren Garten.
Zum Glück öffnet sich im letzten Moment mein Nebelseiden- Fallschirm und ich lande geradewegs in eurem Garten. Vielleicht bin ich mit meiner Stirn gegen einen Baumstumpf gestoßen. So genau weiß ich das nicht. Ich rappele mich wieder auf, kann zunächst überhaupt nichts sehen, bis sich mein Nebelseide- Fallschirm, der über meinem Kopf zusammengeschlagen ist, sich nach und nach in der Luft auflöst.
Jetzt kann ich im Halbdunkel eurer Straßenlaterne in der nächsten Umgebung etwas ausmachen. Ich befinde mich hinter eurem Schuppen auf einem kleinen Wiesenstück, das mit einem niedrigen Zaun eingegrenzt ist. Ich steige darüber, ich gehe zur eurem Haus, gehe an zwei Hasenställen vorbei, bis ich vor eurer Haustür stehe. Was danach kommt, das wißt ihr ja.''
Der Nikolaus atmet jetzt erleichtert tief ein und aus. Er schaut die Kinder an: ,,Glaubt ihr mir jetzt?''
Alle reden aufgeregt und gleichzeitig und durcheinander: Warum, wieso, weshalb und wenn das so gewesen wäre, dann wäre dies oder jenes nicht passiert oder noch mehr passiert oder beides gleichzeitig und auch wieder nicht.
Der Nikolaus bleibt die ganze Zeit stumm. Immer wieder schaut er in die Richtung der Fenster, die nach der Straßenseite liegen.
Auf einmal erhebt er sich von seinem Sessel, hebt seinen rechten Zeigefinger hoch und sagt feierlich:
,,ich höre etwas, seid mal bitte ganz leise. Ich glaube, wir bekommen himmlischen Besuch.
Sofort sind alle mucksmäuschen still und spitzen die Ohren. Nils und Edda drücken sich ganz nah an ihre Mutter, denn man weiß nie, was passieren kann, auch wenn man sich in der Anwesenheit vom Nikolaus nach allem, was bisher geschehen ist, echt sicher fühlen kann. Aber bei der Mutter? das wissen sie genau, kann einem mit der größten Sicherheit der Welt aber auch gar nichts Schlimmes geschehen.
Jetzt, wo alle aber auch wirklich mucksmäuschen still sind, hören die Kinder eigenartige, gedämpfte Geräusche, die von der Straße direkt vor ihrem Haus herkommen. Es ist ein verhaltenes, ein leises Schnauben wie von Pferden, die tief durchatmen müssen, ein Rascheln und Klatschen wie von Lederriemen, die gegeneinander schaben und schlagen, ein helles Klappern, Kratzen und Schaben wie von unruhigen Pferdehufen auf steinhartem Boden, die es nicht ertragen können, stehenbleiben zu müssen und dazu noch ein zartes Klingen wie von sehr kleinen Glöckchen.
''Wir sind da,'' flüstert der kleine Engel und zeigt mit der rechten Hand auf das Haus Kirchstraße Nr.9. Da drin ist unser Nikolaus. Er ist soeben mit seiner Geschichte, die er den Kindern erzählt, fast fertig.
Wie ihr wißt, sind wir Engel für die Menschen unsichtbar. Sie können uns weder sehen noch hören. Wir fliegen einfach durch die Wände in das Haus hinein und nehmen Kontakt mit dem Nikolaus auf. Die Schutzengel von Nils und Edda kommen mit mir Der Milchstraßenmilch- Schutzengel begibt sich an die Seite von Opa Klaus, der noch an seinem Computer sitzt. Du kennst dich dort ja aus.''
Der kleine Engel schaut den Milchstraßenmilch- Schutzengel eindringlich an und fährt mit seiner Ansprache fort:
,,Deine Aufgabe ist jetzt sehr, sehr wichtig, nämlich, darauf zu achten, daß der Unsinnopa Klaus sich so verhält, daß unsere Angelegenheit ein guter Erfolg wird und es nicht zu irgend einem Unsinn kommt, und der Nikolaus womöglich auf der Erde bei der Familie Wrasse bleiben muß. Das kann man diesen netten Leuten nicht zumuten. Dafür hast du ab jetzt die Verantwortung!''
''Geht in Ordnung, ich bin schon dort'', entgegnet der Milchstraßenmilch- Schutzengel und ist augenblicklich verschwunden.''
''Grüß Gott'', sagt der Nikolaus erfreut und wendet seinen Kopf nach der anderen Seite, ,,ich danke euch, daß ihr mich doch noch gefunden habt''.
Nun wissen Edda und Nils, daß sich unsichtbare Engel im Zimmer befinden müssen, ganz nah beim Nikolaus. Es sieht so aus, als wenn er leise mit ihnen spricht, denn sein Bart bewegt sich auf und ab gerade dort, wo man seine Lippen vermuten muß. Aber man hört nichts. Nur einmal meinen sie zu verstehen, wie der Nikolaus von zwei Haselnüssen spricht.
Mittlerweile haben die beiden Kinder ihre erste Furcht nahezu verloren. Statt dessen werden sie immer neugieriger zu erfahren, worüber der Nikolaus mit den Engeln spricht. Aber sie trauen sich doch nicht, den Nikolaus danach zu fragen.
Endlich wendet sich der Nikolaus wieder den Kindern zu und spricht ganz normal, als wenn das gar nichts Besonderes sei:
,,Ich soll euch vom kleinen Engel grüßen und ausrichten, daß die Engel sehr zufrieden mit euch sind, weil ihr nicht enttäuscht und traurig darüber seid, keine richtigen Nikolausgeschenke erhalten zu haben.''
Der Nikolaus macht jetzt eine Pause, neigt seinen Kopf zur Seite und es sieht so aus, als wenn er hören will, was der kleine Engel ihm weiter zuflüstern will.
Danach blickt er wieder zu Nils und Edda: ,,ihr habt noch die kleinen Haselnüsse in euren Händen. Der kleine Engel möchte sich diese gerne mal ansehen. Das lassen sich die beiden Kinder nicht zweimal sagen, strecken ihre Arme vor und öffnen ihre kleinen Hände. Und da liegt in jeder offenen Hand eine ganz normale Haselnuß, nicht so groß und nicht so klein.
Habt keine Furcht, sagt jetzt der Nikolaus und lächelt wieder mit seinen Augen,
,,der
kleine Engel kann es einfach nicht ertragen, daß ich euch nur zwei ganz gewöhnliche Haselnüsse schenken konnte. Er glaubt, ich hätte mich zu einem Unsinn durch den Schutzengel von eurem Unsinnopa dazu verleiten lassen.''
Nach einer kleinen Pause spricht er weiter:
''Soeben höre ich vom kleinen Engel , er möchte gar zu gerne den Haselnüssen einen Vornamen geben.- Und welchen? - Einen Moment bitte...''
Er neigt seinen Kopf wieder zur Seite, um vom kleinen Enge zu hören, wie der Vorname heißen soll. Dann spricht er wieder weiter:
''So..., so..., Aha, so, so . Also der Vorname jeder eurer Haselnuß heißt ab jetzt Wünchwasgutes und der Nachname Haselnuß bleibt wie er ist.
Wenn ihr künftig mit eurer Haselnuß reden wollt, sagt ihr einfach: hallo, Wünchwasgutes Haselnuß!''
Während sie das hören, was der Nikolaus ihnen im Namen des kleinen Engels verkündet, spüren Edda und Nils zur gleichen Zeit ein zartes Streicheln über ihren ausgestreckten Arm abwärts bis zu ihrer Hand, wo die Wünchwasgutes Haselnuß liegt. Es ist ein Gefühl, als wenn ein sehr zartes Tuch aus warmer Seide darüber streicht.
Während ihre Augen dabei ständig auf die Wünchwasgutes Haselnuß gerichtet sind, beginnt sich auf einmal die braune Farbe ihrer Schale zu verwandeln. Zuerst rot, dann blau, dann grün und zuletzt wie Gold. Danach beginnen alle Farben sich zu vermischen und immer heller zu leuchten wie ein Diamant. Und danach verwandelt sich die Farbe der Schale wieder in Gold. Und dann?
Ja, und dann verschwinden beide Wünchwasgutes Haselnüsse aus ihren Händen.
Da stehen Nils und Edda wie von einem Donnerschlag erschrocken und starren auf ihre leere Hand, wo eben noch jeder seine Wünchwasgutes Haselnuß gesehen und gefühlt hat. Und jetzt haben sie sich plötzlich in Nichts aufgelöst.
''Hallo, ihr beiden! Wacht auf! '' ruft der Nikolaus, um Edda und Nils aus ihrem Staunen herauszureißen. Wünchwasgutes für Edda und Wünchwasgutes für Nils sind nicht wirklich verschwunden. Wenn wir abgereist sind - eure Schutzengel bleiben selbstverständlich ab jetzt bei euch - müßt Ihr eure Wünchwasgutes ganz in eurer Nähe suchen und finden, um auch wirklich euer Eigentum wie ein Finderlohn zu sein. Eure Schutzengel werden euch bei der Suche nach den Wünchwasgutes helfen.''
Der Nikolaus hat es jetzt besonders eilig, mit seinem Schlitten loszufahren. Der kleine Engel hat sich vor wenigen Sekunden in die Luft geschwungenen, eine Wolke genommen die ihn in wenigen Augenblicken zum Christkind fliegen läßt.
Der Nikolaus reicht Nils, Edda, der Mutter und dem Vater zum Abschied die Hand.'' Vielen Dank, lieber Nikolaus, es war so schön mit dir, deinen Geschichten und deinen Engeln, ,, beteuern alle.
Als der Nikolaus sich zur Tür wendet, ruft Nils ganz schnell: ''kann ich mir mit meiner Wünchwasgutes Haselnuß alles wünschen, was ich will?''
Der Nikolaus, der bereits die erste Treppenstufe nach draußen genommen hat, wo es dunkel ist, stutzt einen Augenblick und antwortet ebenso schnell: ,,Nein, nein, nicht alles, beachte den Vornamen deiner Haselnuss. Du wirst das schon alleine herausfinden.''
Jetzt haben sich alle zum letzten Abschied auf der Außentreppe des Hauses versammelt, um dem Nikolaus noch einmal nachzuwinken.
Aber außer einer dicken, undurchsichtigen Nebelwolke, die auf ihrer Straßenseite liegt ist nichts zu sehen. Nur die weit entfernt rufende Stimme vom Nikolaus ist noch leise zu hören:
''Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!''
''Hörst du auch noch das leise Klingen von Glöckchen?'' ,flüstert Edda indem sie sich Nils zuwendet.
''Ja, flüstert Nils traurig zurück, ''und das Klingen wird immer leiser... und jetzt höre ich gar nichts mehr''.
''Nils, Nils!'' ruft Edda wieder ganz aufgeregt, ,,er kommt doch wieder, er kommt doch wieder, im nächsten Jahr! Das hat er versprochen. Das hat er doch gerufen. Oder nicht?''
'' Hat er! Ich weiß! antwortet Nils, wird ungeduldig und dann ruft er ganz aufgeregt und laut:
''ich bin doch Detektiv,laß uns sofort im Garten nach unserer Wünchwasgutes Haselnuß suchen!''
Und nach einer kleinen Verschnaufpause: ''Papa! Papa! wir brauchen dringend eine Taschenlampe!
Ende des Briefes